Spannend und nicht langweilig – Ortsteilkonferenz Baumschulenweg 24.05.2016

In „Baume“ – wie der Baumschulenweg von den Ortsansässigen genannt wird, fühlt sich die Mehrzahl der gestrigen Teilnehmenden an der Ortsteilkonferenz wohl. Dennoch war man sich gestern schnell darüber einig, dass auch dieser Ortsteil noch viel Potential zur Weiterentwicklung hat und es auch dringende Probleme zu lösen gibt. Wie ein roter Faden zogen sich die Themen Information und Beteiligung durch die Veranstaltung. Bereits zu Anfang gab es einen kleinen Tumult, als vom Leiter des Amtes für Soziales, Herrn Meißner, der geplante Neubau des Kiezklubs (Kiezklub Treptow-Kolleg) vorgestellt wurde. Den Anwohnern war dieses Projekt nicht bekannt und es wurde von einigen davon ausgegangen, dass der Neubau auf dem geplanten Mehrgenerationenplatz (zu gestaltende Grünfläche) gebaut werden soll. Tatsächlich wird der Kiezklub anstelle der alten Baracke der Tiertafel errichtet. Zu empfehlen wäre dennoch eine umfassende Informationsveranstaltung zum Neubau, um Missverständnisse auszuschließen und ggf. auch über die Gestaltung des Mehrgenerationenplatzes zu sprechen. Das war eine der Feststellungen des sehr informativen Abends.

Wie attraktiv ist Baumschulenweg?

„Wie kann die Attraktivität von Baumschulenweg gesteigert werden“ – war das Thema des ersten Workshops, den ich besucht habe. Die Teilnehmenden waren zum größten Teil in Baumschulenweg ansässig, wohnen und arbeiten hier, so dass sie sich bestens mit ihrem Kiez auskannten. Die gegebenen, sportlichen Möglichkeiten Tennis, Fußball, Rudern wurden hervorgehoben, zu Recht kritisiert wurden die Öffnungszeiten der Schwimmhalle für die Öffentlichkeit von 6.00 bis 8.00 Uhr morgens, darüber hinaus steht die Schwimmhalle nur für den Schul- und Vereinsbetrieb zur Verfügung. Gelobt wurde das abwechslungsreiche Angebot der Geschäftsstraße Baumschulenweg, die im Gegensatz zu anderen Ortsteilzentren in Treptow-Köpenick ein vielfältiges Angebot bietet. Der oftmals langwierige Leerstand wie auch der Umzug von alteingesessenen Geschäften in die Nebenstraße bot Anlass zur Sorge, die Gewerbemieten steigen auch hier im Südosten von Berlin und verdrängen manchen Gewerbetreibenden. Mehr Vernetzung der Gewerbetreibenden, Vereine, Jugend- und Senioreneinrichtungen wie auch der Kunst- und Kulturtreibenden wurde ausdrücklich gewünscht, ein Angebot gibt es hierzu auf nebenan.de, dass noch ausbaufähig ist. Der Jugendklub Rumba bietet jeden dritten Mittwoch im Monat ein Treffen der Akteure in Baumschulenweg an. Eine Info, die auch noch nicht die Runde unter allen Akteuren gemacht hatte. Die Vernetzung, ein Fazit aus der Ortsteilkonferenz insgesamt, sollte verbessert werden.

Lärm und starker Verkehr und mangelnde Verkehrssicherheit

Die Baumschulenstraße lädt in Zeiten des Berufsverkehrs nicht gerade zum Verweilen ein. Darüber hinaus fehlt es an Verkehrssicherheit für den Fuß- und Radverkehr. Der Straßenlärm, der sich aktuell durch die Baustelle auf der Baumschulenbrücke aber auch in Baumschulenweg selbst verstärkt, ist kein Garant für das Verweilen auf der Baumschulenstraße. Die dunkle und oftmals verschmutzte Unterführung am S-Bahnhof Baumschulenweg, wo die Bushaltestellen angesiedelt sind, kann trotz der durchaus zufriedenstellenden Geschäfte im Bahnhof nicht überzeugen. Hier will jeder nur schnell weg. Ausdrücklich erwünscht ist der stärkere Ausbau von Radverkehrsanlagen sowie die Verbesserung der Verbindung für Radfahrende zwischen den Ortsteilen Baumschulenweg und Späthsfelde. Uneinig ist man sich hier eher, je nach Bedürfnissen, ob auf bauliche Radverkehrswege oder Radfahrstreifen gesetzt werden sollte. Die Situation der Linksabbieger an der Kreuzung Sonnenallee / Baumschulenstraße bedarf einer besseren Regulierung, auch ein Wunsch, der die Gruppe des Workshops einte. Die Querung der Baumschulenstraße wurde allgemein als sehr unsicher beschrieben, unter anderem auch deshalb, weil sich Autofahrende nicht an Geschwindigkeitsbegrenzungen halten (wenn mal kein Stau ist) und sich im Stau oftmals rücksichtslos gegenüber den Zufußgehenden verhalten. Eine Verstärkung der Taktzeiten der in Baumschulenweg fahrenden Buslinien stand auch auf der Wunschliste der Teilnehmenden, vor allem, um auch die Anbindung von Späthfelde zu verbessern.

Kein großer Mehrzweckraum für Treffen – Kein Treffpunkt für Jugendliche

Festgestellt wurde darüber hinaus, dass es an (größeren) Mehrzweckräumen in Baumschulenweg fehle, in denen neben dem Stattfinden von Feierlichkeiten sich auch die ortsansässigen Akteure treffen können. Der Neubau des Kiezklubs soll über einen Mehrzweckraum verfügen, ob das für den Bedarf der Vielzahl der vorhandenen Akteure ausreichend ist, muss sich zeigen.

Einigkeit herrschte auch darüber, dass es keinen Treffpunkt für Jugendliche in Baumschulenweg gibt, der den Bedürfnissen der Jugendlichen gerecht wird. Das Treptopolis, das versucht hat, neben einem Angebot von Kunst und Kultur, Angebote für alle Generationen, eben auch für Jugendliche, zu generieren, ist längst geschlossen. Hier ist das Bedauern unter den örtlichen Akteuren sehr groß, ein Ersatzstandort konnte nicht klassifiziert werden. Das Angebot dieses Kulturhauses wurde vor Ort gut angenommen, vor allem, dass alle Generationen gemeinsam etwas unternehmen konnten, wurde ausdrücklich gelobt. Das Kulturhaus konnte sich finanziell nicht halten, der Ansatz die Räumlichkeiten für Veranstaltungen zu vermieten, die mit Lärm für die umgebenden Wohnhäuser verbunden war, ging nicht auf. Ob auf dem ehemaligen Gelände des EAW Treptow, neben der Sportfläche des Rudererklubs im Rodelbergweg hierfür Platz ist, war eine Vermutung, die im Rahmen der Veranstaltung nicht geklärt werden konnte.

Mehr Vernetzung, mehr gemeinsam organisieren

Von den Teilnehmenden wurde die Vielfalt der Veranstaltungen, die alle Generationen in Baumschulenweg ansprechen, gelobt. Nur besser abstimmen und mehr gemeinsam organisieren, dass sind die Aufgaben, die sich die Akteure selbst stellen. So möchte man gerne wieder ein Straßenfest in Baumschulenweg veranstalten, eine derartige Organisation ist sehr komplex und bedarf neben dem finanziellen Hintergrund auch eine sehr gute Vernetzung und der Kooperation seitens der Verwaltung.

Das Informations- und Beteiligungsdefizit

Jeder Teilnehmende hatte Gelegenheit, an zwei Workshops teilzunehmen. „Was bewegt Baumschulenweg“ war dann der zweite Workshop für mich. Die Gruppe vor uns hatte ausführlich über die Verkehrsproblematik diskutiert, aber auch über die fehlende bzw. nicht ausreichende Informationsebene zwischen Ortsansässigen und den Akteuren und der Verwaltung und der Politik auf der anderen Seite. In unserer Gruppe wurde diese Problematik stark thematisiert, es ist deutlich geworden, dass die Akteure vor Ort sehr gern auch ihren Anteil zu einer Verbesserung der Informations- und Beteiligungsebene beitragen wollen (das hat allein schon die Teilnahme an der Ortsteilkonferenz gezeigt und die regen Diskussionen) aber auch die Verwaltung und Politik im Bezirk sind gefordert, frühzeitiger zu informieren und frühzeitig Beteiligungsmöglichkeiten anzubieten. Angeregt wurde die Bildung eines Runden Tisches „Familie“, in dem über Jugend-, Familien- und Seniorenthemen gemeinsam mit der Verwaltung und Politik im Bezirk diskutiert werden kann. Kurz angeschnitten wurde, dass es vor allem bei den Kita-Plätzen an der Klärung von rechtlichen, baulichen Voraussetzungen für von Eltern organisierten Kindertagesstätten / Kindertagespflege fehlt und auch mehr Unterstützung bei der Suche nach geeigneten Räumlichkeiten erwünscht ist. Hier wird mehr Kooperation der Verwaltung erwartet, sich dieser Problematik anzunehmen.

Leider war unsere Gruppe etwas kleiner als die erste, so dass dieses Thema nur Platz 2 im Ranking der Themen für das Ortsteilgespräch im Herbst erreichte. Hier soll über die Thematik Verkehr gesprochen werden. Nicht desto trotz hält das weder Politik noch Verwaltung davon ab, diesen ausdrücklichen Wunsch der ortsansässigen Akteure – mehr Transparenz und Beteiligung bei Entscheidungen der Politik und Verwaltung – wahrzunehmen und stärker als bisher darauf einzugehen. Hier ist die Gelegenheit für mich, sich selbst an die Nase zu fassen.
Ausdrücklichen Dank an das Team der SPK (Sozialraumorientierte Planungskoordination) für die Organisation und Fachkompetenz Begleitung der Ortsteilkonferenz. Ergebnisse sind demnächst der Seite der Bezirksregion Baumschulenweg zu entnehmen. Es hat Spaß gemacht, gerne bin ich auch wieder im Herbst dabei.

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