1. Dialogveranstaltung Spreepark – Mitbestimmung light

Mein Steckenpferd ist Beteiligung, Mitbestimmung und Demokratie, daher betrifft der größte Teil des Textes auch dieses Thema, zum Inhalt der ersten Dialogveranstaltung Spreepark habe ich am Ende des Blogbeitrages noch etwas geschrieben und mit meiner subjektiven Einschätzung garniert. Ihr dürft also scrollen, wenn euch das Für und Wider der Beteiligung beim durchgeführten Dialogverfahren nicht bzw. nicht wirklich interessiert ;-).

800 Besucher*innen – das war für Grün Berlin überraschend

Am 1. Juli 2016 wurde von der Grün Berlin Gruppe zum Auftakt des Dialoges zur Entwicklung des Spreeparkes eingeladen. Es kamen sehr viele Interessierte aus Treptow-Köpenick und aus anderen Bezirken Berlins. Nicht nur die angekündigten Rundgänge im ehemaligen Kulturpark lockten, ein großer Anteil aller Besucher*innen nahm auch an der Dialogveranstaltung selbst in der ehemaligen Werkstatt des Kulturparks teil. Mehr als 800 Berliner*innen folgten der Einladung – die Organisatoren (Grün Berlin Gruppe) waren von der Vielzahl der Interessierten überrascht.

Leider war weder das Raum- noch das Veranstaltungskonzept von diesem hohen Zuspruch ausgegangen, so dass sich die Anzahl der Interessierten innerhalb der ersten neunzig Minuten auf gut die Hälfte verringerte. Am Ende der Veranstaltung waren nur noch knapp 100 Besucher*innen anwesend.

Das vorhandene Konzept der Organisatoren war nicht dazu geeignet, dieser Anzahl von Interessierten das Beteiligungsangebot zu vermitteln und sie in Dialoge zur Entwicklung des Spreeparks zu binden. Zu wenig flexibel wurde auf den unerwarteten hohen Zuspruch an der Beteiligung reagiert. Die räumliche und konzeptionelle Trennung der Sammlung der Vorschläge (ohne Diskurs) einerseits und die Interviews auf der Bühne andererseits (hier wurde nicht auf Vorschläge eingegangen) wurde beibehalten, so dass bis zum Ende zwischen diesen beiden eigentlichen Schwerpunkten der Dialogveranstaltung keine Verbindung erkennbar war. Die Organisatoren der Dialogveranstaltung, also die Grün Berlin Gruppe, waren meinem Eindruck nach mit der Anzahl der Interessierten überfordert, diese Überforderung löste sich auch nicht auf, als die Anzahl der Besucher*innen der Dialogveranstaltung abnahm. Selbst hatte die Grün Berlin Gruppe mit 150 bis 250, max. 300 Besucher*innen insgesamt gerechnet.

Der Spreepark als Raum für Kunst und Kultur

Zu Anfang stellte Senator Geisel kurz den Rahmen vor, in dem sich das Dialogverfahren bewegen kann. Der finanzielle Rahmen für den Spreepark umfasst derzeit zehn Millionen Euro, ein Großteil davon wird allerdings für die denkmalschutzgerechte Sanierung des Eierhäuschens benötigt, eine Million wurde bereits für Sicherung und Beräumung des Spreeparks ausgegeben, für die Gestaltung des Spreeparks stehen so nicht mehr ausreichend Mittel zur Verfügung. Wie der Widerspruch, einerseits eine Entwicklung des Spreeparks zum Kunst- und Kulturstandort für die Berliner*innen anzustreben und andererseits kein weiteres Wort über finanzielle Unterstützung des Projektes über die Erstellung des Masterplanes hinaus zuverlieren, löste Senator Geisel nicht auf.

Man hätte Zeit, so Senator Geisel, über die weitere Entwicklung zu reden, es besteht kein dringlicher Handlungsbedarf, daher sollte man sich diese Zeit auch nehmen. Statt Wohnungsbau, Parkhäusern bzw. einem Vergnügungspark soll der Spreepark sich zu einem Kunst- und Kulturpark entwickeln – im Einklang mit dem Landschaftsschutzgebiet Plänterwald auf der einen Seite und als Verbindungsstück zwischen Treptower Park und Landschaftsschutzgebiet. Ein erlebbarer Park für Berliner*innen und ihre Gäste sei das Ziel, nachhaltig solle diese Entwicklung sein.

Keinen Eindruck, aber einen Einblick kann das von „Berliner Spreepark.de“ veröffentlichte Video zur Dialogveranstaltung geben. Gezeigt wird die erste halbe Stunde mit den Eröffnungsreden von Senators Geisel, vom Bezirksbürgermeisters Igel und des Geschäftsführers von Grün Berlin, Christoph Schmidt, sowie die kurze Einführung in die Veranstaltung. Dem schließen sich Eindrücke aus dem Spreepark-Rundgang an, bevor der Beitrag mit dem Schlusswort von Christoph Schmidt endet.

Das Konzept des Dialogverfahrens

Das Ziel eines Dialogverfahrens ist es, dass über mehrere Etappen die an einem Prozess Beteiligten in den direkten Dialog treten, Vorschläge diskutiert und hierbei ihre Ansichten austauschen und den Prozess insgesamt zu begleiten. Ein Dialogverfahren ist oberhalb von reinen Informationsveranstaltungen anzusiedeln, die nur der Information dienen bzw. bei denen ggf. auch ein paar Fragen/Nachfragen beantwortet werden.

Dialogverfahren gelten als niedrigschwellige Beteiligungsverfahren, die jedem die Möglichkeit zur Teilnahme geben, ohne dass Vorkenntnisse erforderlich wären. Am Ende eines Dialogverfahrens haben sich die Teilnehmenden anhand der eingereichte Vorschläge mehrheitlich auf die grobe Ausrichtung für eine weitere Entwicklung im Prozess geeinigt. Wie relevant und verbindlich diese Feststellungen am Ende sind, liegt dann allerdings wiederum bei den Entscheidungsträgern. Das Verfahren wird einerseits angewandt, um bereits bekannte Konflikte ausreichend diskutieren zu können und die Entscheidungsträger über die Bandbreite der Erwartungen zu informieren. Das Ergebnis einer Dialogveranstaltung führt weiterhin zur Priorisierung der diskutierten Vorschläge, die wiederum je nach Anerkenntnis durch die Entscheidungsträger als Handlungs- und Entscheidungshilfen dienen. Ein Dialogverfahren dient aber auch dazu, dass sich Teilnehmende mit dem Projekt identifizieren, in dem ihre Vorschläge diskutiert und ggf. auch berücksichtigt werden.

Das Dialogverfahren wäre für den Spreepark eher der zweite Schritt in der Beteiligung gewesen. Für den ersten Schritt hätte ich ein Bürgergutachten favorisiert, dass aufgrund der repräsentativ zusammengestellten Teilnehmenden ein gewissen Maß an Relevanz und Verbindlichkeit zulässt, ohne Entscheidungen vor weg zu nehmen.Weiter von Vorteil ist es, dass die Teilnehmenden des Bürgergutachtens durch Vorträge von Experten und der Verwaltung ein gewisses Maß an fachlicher Expertise erhalten und Entscheidungen informierter treffen können. Die Grün Berlin Gruppe hat sich dafür entschieden, in einer ersten Dialogveranstaltung Vorschläge zur Entwicklung des Spreeparks zu sammmeln und parallel dazu in Gesprächen mit Experten Möglichkeiten zu erläutern und hier einige Fragen zu beantworten. Für die ersten Plaunungsideen selbst, die erst mit der zweiten Dialogveranstaltung im Herbst 2016 vorgestellt und diskutiert werden sollen wird ein Planungsteam beauftragt, dass hierzu eine Auswahl an Planungsvorschlägen für den Spreepark auf Grundlage der eingereichten Vorschläge und der geltenden Rahmenbedingungen erstellt.

Grün Berlin hat bereits bei anderen Projekten Beteiligungsverfahren organisiert und angewandt. Davon kann man auch nur als annähernd gelungen das Verfahren zur Erstellung des Entwicklung- und Pflegeplanes für das Tempelhofer Feld nach dem erfolgreichen Volksentscheid bezeichnen. Dennoch, auch dieses Beteiligungsverfahren hatte seine Defizite. Es wurde zwar Online-Beteiligung angeboten, diese war aber nicht fachlich begleitet, so dass Vorschläge nur untereinander, nicht mit der Verwaltung und Politik diskutiert wurden. Eine gegenseitige Verbindung zwischen den Workshops vor Ort und der Online-Beteiligung konnte nicht gewährleistet werden, zuletzt war die Online-Beteiligung eher eine Ablagerung von Information als Beteiligung selbst. Das war auf jeden Fall ein Fortschritt zu dem, was sonst in Berlin üblich ist, aber auch kein Rezept, um Interesse auch bestehen zu lassen.

Beim Spreepark ist (bisher) keinerlei Online-Beteiligung vorgesehen. Das ist schade, da so die Beteiligung auf den Teilnehmerkreis an den angekündigten drei Veranstaltungen beschränken wird, der sich darüber hinaus auch je nach Interesse verändert. Eine transparente Begleitung des Dialogverfahrens wie auch die im Land Berlin oftmals eingesetzte Beteiligungsform, zumindest online Vorschläge einreichen zu können wäre wünschenswert. Eine fachliche Begleitung des Online-Angebots durch die zuständige Senats- und Bezirksverwaltung sowie Grün Berlin selbst wäre von Vorteil.

Zur Beteiligung wäre auch die Aufbereitung von Informationen erforderlich. Bei der Veranstaltung selbst wurde dies im Ansatz anhand von Schautafeln versucht, weder diese Schautafeln noch das Konzept des Dialogverfahrens selbst fanden sich vor der Veranstaltung und kurz danach auf der Spreepark-Seite der Grün Berlin Gruppe wieder, von weiterführenden Informationen zu den Möglichkeiten und den Werdegang ganz zu schweigen. Es bring auch wenig, Informationen nur zu verlinken, wenn diese nicht erläutert werden, ein Fehler, der beim Beteiligungsverfahren Tempelhofer Feld gemacht wurde, am Ende waren so viele Unterlagen verlinkt, dass nicht nur die Übersicht verloren gegangen ist, sondern sich Interessierte auch schnell damit überfordert gesehen haben, fachliche Dokumente und vieles mehr zu erfassen.

Das Dialogverfahren Spreepark

Neben der Veranstaltung am 01. Juli sind noch zwei weitere Dialogveranstaltungen vorgesehen. Im Herbst 2016 ist die Vorstellung und Diskussion der Planungsvorschläge zum Spreepark vorgesehen. Erarbeitet werden diese von einem Planungsteam. Per 01. Juli 2016 war lediglich bekannt, dass ein Teil der Planungsgruppe aus einem Team rund um Professor Dr. Siebenhaar vom Institut für Kultur- und Medienmanagement der Freien Universität Berlin besteht, weitere Planer, wie Architekten etc. sollten noch beauftragt werden.

In wie weit es möglich ist, dass sich diese Planungsvorschläge an den eingereichten Vorschlägen zur Entwicklung des Spreeparks orientieren, ist nicht nur von den Rahmenbedingungen abhängig. Am 01. Juli ist keine Auswertung erfolgt, auch keine noch so grobe, die nur einige prominent vertretende Vorschläge vorstellt oder zumindest darüber berichtet, in welche Richtungen die Entwicklung gehen könnte. Eine Auswertung ist normalerweise in Dialogveranstaltungen üblich, auch um in Folgeveranstaltungen an Auswertungen anknüpfen zu können, aber auch die Vorschläge zu benennen, die mit den Rahmenbedingungen nicht vereinbar sind. Meine Nachfrage vor Ort, ob die gesammelten Vorschläge in irgendeiner Form veröffentlicht werden, konnte mir nicht beantwortet werden, wahrscheinlicher wäre eine thematische Zusammenfassung.

Anhand der „Ergebnisse“ der zweiten Dialogveranstaltung im Herbst, aus der Diskussion der vorgestellten Planungsvorschläge wäre dann ein Masterplan zu erarbeiten, der im Frühjahr 2017 vorgestellt und ausführlich diskutiert werden soll. Nach welchen Kriterien die Planungsvorschläge erstellt werden ist noch weitgehend unklar, ebenso unklar ist, welche Kriterien für den Masterplan gelten und wie die Entwicklung nach Vorlage des Masterplans fortgeführt wird. Zumindest wurde eine weitere Beteiligung in Aussicht gestellt.

Das Prinzip des Dialogverfahrens kann weiterhin nur funktionieren, wenn Debatten, Gespräche die Chance zur Entwicklung haben. Hierfür sind neben der Anwesenheit von fachlich versierten Moderator*innen auch die räumlichen Kapazitäten zu schaffen. Die Örtlichkeit des ersten Dialoges in einer ehemaligen Werkhalle mag im Zusammenhang mit den im Rahmen der Veranstaltung durchgeführten Begehungen von Vorteil gewesen sein – Raum für Dialoge und Gespräche bot der Raum aufgrund der Vielzahl der Teilnehmenen jedoch leider nicht. Die Luftfeuchtigkeit und die Wärme an diesem Tag taten ihr Übriges, so dass nach der Hälfte der Veranstaltung auch nur noch die Hälfte der Teilnehmenden anwesend war und deren Anzahl sich bis zum Ende stetig verringerte.

Die von Grün Berlin eingesetzten Ansprechpartnerinnen an den sogenannten Dialoginsel (Ein Spreepark-Boot in der Mitte, jeweils vier Bänke und mit Informationen bespickte Tafeln sowie freie Tafeln für Vorschläge rundherum aufgestellt mit ein paar Stehtischen) taten ihr Möglichstes. Sie waren allerdings schon mi der Entgegennahme der Vorschlägen (nicht jeder pinnte diese aus verschiedenen Gründen selbst an die Tafel) und dem Sortieren der Vorschläge beschäftigt, so dass für die Beantwortung von Fragen nur wenig Zeit blieb. So beschränken sich Dialoge oftmals nur auf Kleingruppen an den Tafeln selbst, die nicht von Moderator*innen aufgegriffen wurden. So schnell wie die Dialoge geführt wurden, so schnell gingen die Gesprächspartner*innen wieder ihrer Wege. Eine Gesprächsführung exitierte nicht. An den Dialoginseln war die Überforderung angesichts der unerwarteten Menge an Interessierten besonders deutlich.

Auch aus der Interviewreihe, die jeweils zur vollen Stunde 17.00 Uhr, 18.00 Uhr, 19.00 Uhr stattfand, konnte sich kein nachhaltiger Dialog mit den Teilnehmenden entwickeln. Lange Statements der Podiumsgäste, die Beantwortung von Fragen durch mehrere Experten und deren Länge ließen wenig Platz für die Fragen des Publikums. Da auch die Fragesteller selbst nicht in jedem Fall die Eigenschaft besassen, sich kurz zu fassen, konnten zu den jeweiligen Themenbereichen Kunst und öffentlicher Raum, Kreativität und Tourismus und Stadtentwicklung & Umwelt nur wenige zu Wort kommen.

Das in den Interviews nicht auf Vorschläge der Dialoginseln eingegangen wurde, sondern eher plakativ (mehrmals) vom Moderator darauf hingewiesen wurde, dass alles an den Tafeln stehen müsse, auch was hier nicht diskutiert wird, um beachtet zu werden, ist nicht wirklich dazu geeignet, dass sich beteiligungswillige Interessierte willkommen fühlen. Den Verzicht auf eine Verbindung zwischen Dialoginseln und Interviews sowie die zwar angekündigte, aber nur zum geringen Teil eintretende Beteiligung der Fachexperten (Interviewpartner) an den Dialoginsel sind Fehler in der Durchführung dieser, der Beteiligung dienenden Veranstaltung.

Das Zeitkonzept der Interviewreihe, die wahrscheinlich die angekündigten Werkstattgespräche darstellen sollten, wenngleich sie diesen Namen nicht verdienen, war nicht nachvollziehbar. Es hätte klar sein müssen, dass die jeweiligen Themenbereiche unterschiedliche Interessengruppen ansprechen, während der Bereich Kunst und öffentlicher Raum sehr viele Interessierte anzog und entsprechend hoch der Diskussionsbedarf zum Themenbreich war, sprach der Bereich Stadtentwicklung und Umwelt eher bereits fachlich versierte Teilnehmende und Anwohner*innen an. Dennoch wurde für jeden „fachlichen Input“ das gleiche Zeitfenster gewählt, so war die Unzufriedenheit der Teilnehmenden aus dem Kunst- und Kulturbereich direkt greifbar.

Im Großen und Ganzen wurden die Erwartungen enttäuscht, man musste schon Geduld aufbringen, um Informationen zu erhalten und das Raumklima selbst lud nicht gerade zum Verweilen an den Dialoginseln ein. Viele der Teilnehmenden fühlten sich nicht wahrgenommen, zum Teil auch durch das Format nicht ernst genommen, so dass diese die Veranstaltung enttäuscht verlassen haben. Das wäre vermeidbar gewesen.

Wie hätte die erste Dialogversanstaltung zum Spreepark besser laufen können?

Anmeldung

Die Information über die Dialogveranstaltung hat angesichts der Anzahl der Teilnehmenden funktioniert. Bei frühzeitiger Bekanntgabe des Termins und der Möglichkeit, sich anzumelden, wären die Veranstalter nicht so von der Anzahl der Teilnehmenden überrascht gewesen und hätten auch die Führungen durch den Spreepark besser vorbereiten können. Durch die für die Führungen erforderliche Anmeldung vor Ort ist die Veranstaltung erst mit Verspätung gestartet.

Eine Möglichkeit zur Beteiligung für Berliner*innen, die zu diesem festgesetzten Termin am festgesetzten Ort nicht erscheinen konnten, gab/gibt es nicht. Das wäre für eine Veranstaltung, die Freitagnachmittag beginnt, empfehlenswert gewesen und hätte ggf. auch etwas die Situation vor Ort etwas entspannt.

Raumkapazität

Die Räumlichkeit war nicht für die Anzahl der Teilnehmenden, aber auch nicht für das Konzept selbst geeignet. Die Interviews und die Gespräche an den Dialoginseln fanden im gleichen, wenn auch größeren (aber nachhallenden) Raum statt. Einige Abtrennungen, mehr Sitzplätze hätten schon bewirken können, dass mehr Teilnehmende bis zum Schluss geblieben wären, eine angenehme Atmosphäre für den Diskurs wäre allerdings trotzdem nicht entstanden.

Es wäre anzuraten, für die nächste Dialogveranstaltung andere Räumlichkeiten zu nutzen und ggf. an verschiedenen Gelegenheiten Führungen durch den Spreepark anzubieten, damit hier keine räumliche Abhängigkeit entsteht. Zugegeben ist es nicht leicht in der Nähe des Spreeparks im Bezirkes eine derartige Räumlichkeit zu finden, auch der Ratssaal des Rathauses Treptow hätte die Menge der Interessierten nicht aufnehmen können. Dann vielleicht im Treptower Park im Freien, ob dafür das Wetter im Herbst für die zwei Dialogveranstaltung dann noch genügt?

Dialoginseln

Die Dialoginseln waren personell angesichts der Anzahl der Interessierten unterbesetzt, eine Moderation erfolgte nicht, ob diese gewünscht war, ist nicht zu ermitteln. Die Vorstellung des Konzepts selbst am Anfang der Veranstaltung geriet angesichts der Komplexität des zu diskutierenden Themenbereiche dann doch etwas kurz.

Wie erwähnt, nahmen nur wenige Fachexperten die Gelegenheit zur Beteiligung an den Dialoginseln wahr und das bis auf einen Ausnahmefall, den Bezirksstadtrat Hölmer, der ständig das Gespräch suchte, eher sporadisch. Bei Anwesenheit dieser Fachexperten und entsprechender Gesprächsführung hätte sich ein Dialog mit Umstehenden entwickeln können. Organisierte Gespräche mit den Experten fanden jedoch an den Dialoginseln nicht statt.

Ob nun das Zeitkonzept selbst oder die Anzahl der eingereichten Vorschläge keine noch so kurze Zusammenfassung vor Ort zu ließen, ist eine offene Frage. So ging die Veranstaltung für viele ohne Ergebnis zu Ende. Das ist insofern für jedes Beteiligungsverfahren von Nachteil, da für Folgeveranstaltungen keine Anknüpfungspunkte bestehen, ganz davon abgesehen, dass sich so Teilnehmende auch nicht ernst genommen fühlen, wenn aus ihrer Beteiligung kein Ergebnis erwächst.

Eine vierstündige Veranstaltung, um Vorschläge zu sammeln, einige Experte zu Wort kommen zu lassen, ohne ausreichend Möglichkeit zum Beantworten von Fragen der interessierten Gäste zu gewährleisten, zeugt nicht von einem positiven Verlauf einer Beteiligung.

Die Interviews als fachlicher Input

Das Zeitmanagement der Interviews selbst und die teilweise längeren Pausen zwischen den Interviews sorgten u.a dafür, dass das Interesse nachließ und Teilnehmende die Veranstaltung verließen. Angesicht der durchaus interessanten Fragestellungen und der Besetzung der Podien war das mehr als schade.

Vielleicht wären kleinere Gruppen eine Lösung, vielleicht hätte man Fragen auch vor ab mit den Fragesteller*innen abstimmen können. Es war zu wenig Zeit für dieses Format, das war auch der Moderation anzumerken, auch das nicht unbedingt ein Vorteil, wenn man einen Dialog führen will. Obwohl ich eigentlich bezweifle, dass es bei den Interviews um einen Dialog mit dem Publikum gegangen ist, dafür wurde ihm zu wenig Raum gelassen.

Grundsätzliches

Es wäre es immer anzuraten, dass derartige Veranstaltung neben Fachexperten auch von Mitarbeiter*innen aus Senats- und Bezirksverwaltungen (wenn beide Verantwortlichkeiten tangiert werden) begleitet werden. Diese sind oftmals in der Lage Verständnisfragen zu klären und können auch Nachfragen zur Umsetzung von Vorschlägen beantworten können. So kann ggf. manche Enttäuschung vermieden werden können, die folgen wird, wenn Vorschläge nicht diskutiert und dann auch nicht berücksichtigt werden.

Das ist das nächste Problem. Über die Vorschläge der Teilnehmenden selbst wurde kaum gesprochen, ein Diskurs fand nicht statt. Die Vorschlägen haben sich zu einem eher kleinen Teil widersprochen, aber einige waren schlichtweg bei Beachtung der Rahmenbedingungen nicht umsetzbar ( Landschaftsschutzgebiet Plänterwald, Nachhaltigkeit, Ausrichtung Kunst und Kultur).

Nicht Wenige werden bei der nächsten Dialogveranstaltung berechtigterweise Einspruch einlegen, um ihre Interessen durchzusetzen. Bei Veranstaltung in dieser Größenordnung und der Vielzahl der Vorschläge wäre eine Priorisierung erforderlich gewesen, um auch mit weniger Diskussionsbedarf in die nächst Runde zu starten. Eine Priorisierung ist jedoch nicht erfolgt, diese wird Aufgabe des Planungsteams sein, um Vorschläge zur Entwicklung des Spreeparks zu erarbeiten. Nicht unbedingt Sinn einer Beteiligung, dass hier die Zubeteiligenden nicht einbezogen werden.

Wie erwähnt, es gab keine Auswertung. Drei Wochen nach der Veranstaltung findet sich auf der Website Spreepark der Grün-Berlin-Gruppe nicht mehr als die Einladung zum Dialogverfahren. Dieses abrupte Ende des Dialoges ohne auch nur einen Hinweis zur Fortführung des Dialogverfahrens zu geben bzw. nur ansatzweise über die Veranstaltung selbst zu informieren, ist wiederum von Nachteil für die Beteiligung selbst. Enttäuschung wird diesem vermeintlichen Desinteresse folgen. Das immer noch in Berlin Beteiligungsprozesse nicht transparent für alle Interessierten begleitet werden, ist nicht hinnehmbar. Das gefährdet nicht nur den Dialogprozess, es macht auch das Interesse des Landes Berlin an der Beteiligung selbst unglaubwürdig.

Inhaltliches – Wie kann sich der Spreepark entwickeln?

Freier Zugang

Zu Beginn und am Ende der Veranstaltung wurde um Verständnis dafür geworben, dass nicht alle Vorschläge Berücksichtigung in den Planungsvorschlägen finden werden. An allen drei Dialoginseln wurde ein freier Zugang zum Park gefordert, um das Ziel, der Park soll für alle offen stehen, zu erreichen. Das äußerte sich nicht nur in der Forderung nach keinem Entgelt für das Betreten des Spreeparks, sondern auch in der Forderung, den Spreepark nicht einzuzäunen. Der Spreepark soll für alle erlebbar und daher die Angebote sozial erschwinglich, bezahlbar sein. In diesem Sinne waren die Teilnehmenen durchaus solidarisch unterwegs und haben nicht nur an ihre eigenen Interessen gedacht.

Nachhaltige und sanfte Entwicklung

Im Großen und Ganzen kann man sagen, dass die Mehrheit der Teilnehmenden das Konzept der nachhaltigen und sanften Entwicklung verfolgt haben, wenn gleich auch Vorschläge der vollständigen Renaturierung und der Wiedereröffnung als Vergnügungspark zu finden waren. Ich nehme die politische Entscheidung des Senats, einer sanften und nachhaltigen Entwicklung mit den Schwerpunkten Kunst und Kultur zu folgen, als Konsens an, da ich weder die vollständige Renaturierung des Spreeparks für mich das Ziel ist, noch möchte ich einen Vergnügungspark wie den „Kulturpark“.

Die Schwerpunkte Kunst und Kultur bei möglichst viel Natur wurde vor allem von Wünschen nach Sportmöglichkeiten und weiteren Freizeitangeboten ergänzt. Durchaus in manchen Kombinationen sinnvoll, aber nicht in allen. Es wurde beim Überfliegen der Vorschläge schnell gewiss, dass Abwägungen und Entscheidungen zu treffen sind, um im genannten Rahmen zu bleiben. Da nicht bekannt ist, wie aus den Vorschlägen bis zur zweiten Dialogveranstaltung konkrete Planungsideen werden, kann ich nur spekulieren und das Folgende ist auch sehr von meiner subjektiven Sicht geprägt.

Kunst und Kultur

Das Sommertheater hat sich bereits als Zwischennutzung durchgesetzt, so gehe ich davon aus, dass sich Raum für eine Bühne für darstellende Künste im Spreepark findet, vieles spricht dafür, dass die bereits vorhandene Naturbühne genutzt werden könnte. Ausstellungen von Künstlern im Freien, Skulpturgärten sind etwas, was ich mir gut für den Spreepark vorstellen kann, gerade um Kunst und Natur miteinder kommunizieren zu lassen. Dazu gehören für mich Räumlichkeiten für die Künstler selbst, ob diese in den Bestandsbauten zu finden sind oder kleine Ateliers neu entstehen können, muss geprüft werden.

Der einzige, dann aber doch kontroverse Widerspruch war einerseits die Forderung nach Open Air Festivals und andererseits die vollständige Ablehnung von Open-Air-Musikveranstaltungen. Der Kompromiss dürfte bekanntlich in der Mitte liegen, bereits die Vertreterin vom MedienBoard Berlin-Brandenburg äußerte, dass sie den Spreepark nicht als Veranstaltungsort für basslastige Musik sieht, als Ort für kleinere Konzerte und Musikveranstaltungen schon. Hier waren gerade die Nachbarn von der anderen Seite des Spreeufers sehr präsent, die diesen Verzicht forderten und überhaupt sich sehr viel vom Spreepark ausgehende Ruhe wünschten.

Bei dem Wunsch nach Wasserkunst bin ich dann ehrlicherweise überfragt, das ist ggf. auch eher ein Thema für die Nutzung der Spree ;-).

Gestaltung des Spreeparks

Die Beachtung des Landschafts- und Naturschutzes wirft auch einige Problemstellungen auf. So wurde einerseits der vollständige Uferschutz gefordert, andere sprachen sich für einen Badestrand, Steganlagen und Sportmöglichkeiten in Spree aus. Weniger kontrovers dürfte die Forderung nach Erhaltung von Biotopen und Schutzräumen für Pflanzen und Tiere sein, das kommt dem Rahmen der Anpassung an das Landschaftsschutzgebiet entgegen. Die Kriterien der Auswahl dieser Schutzräume wird dann doch für weitere Diskussionen sorgen.

Grundsätzlich ist die Forderung, einen Teil des Spreeparks naturbelassen zu erhalten und für einen weiteren Teil nur Spaziergänge auf angelegten Wegen zuzulassen, nachvollziehbar. Ob das Landschaftsschutzgebiet gegebenfalls dafür erweitert wird, ist wiederum eine politische Entscheidung, die ich begrüßen würde.

Freizeit / Sport

Den Spreepark erlebbar gestalten beinhaltet auch genügend Freizeit- und Sportmöglichkeiten. Ob Liegewiese, Wald oder überdacht, alles war vertreten, Versiegelung sollte aber vermieden werden.

Die Forderung nach gastronomischen Einrichtungen wurde mehrfach gestellt, ob vegan oder vegetarisch oder der herkömmliche Imbiss. Mehr als ein Imbiss wird – wenn überhaupt – neben dem Eierhäuschen als Ausflugsgaststätte (in kleinerem Rahmen) als bisher auch nicht wirtschaftlich umsetzbar sein, zumal die Forderung nach erschwinglichen Preisen die gastronomischen Angebote einschließt.

Ist Minigolf Sport? 😀 – Als begeisterte Minigolfspielerin bin ich da etwas zwiegespalten. Ich hätte schon gerne so eine Anlage in der Nähe, aber Kunstrasen, Plastik und Pflasterung von Zugängen zu den einzelnen Bahnen würde ich als unpassend empfinden.

Sport war eines der übergreifenden Themen und auf jeder Tafel zu finden. Ob Laufen, Scaten, Fahrrad fahren, Klettern, Tischtennis, den Beach-Volley oeder eine spezielle Fläche fürs BMX-Fahren, die Wünsche sind vielfältig, die Abwägung mit den Grundsätzen der Nachhaltigkeit und der sanften Entwicklung schwierig. Hier könnte ein Vorschlag helfen, der weniger Sportflächen als Lösung ansah, sondern in der Form der früheren „Trimm-Dich-Pfade“ Sportmöglichkeiten in Eintracht mit der Natur entlang der Wege einrichten will.

Mindestens ein Abenteuerspielplatz (vielleicht mit integrierter Klettermöglichkeit) in verschiedenen Altersstufen neben ausgewiesenen Spielflächen für Ballspiele wäre wünschenswert, schließlich soll sich die ganze Familie wohlfühlen. Ob die obligatorische Tischtennisplatte dazu gehört, wenn entsprechender Platz ist, gern.

Wassersport war auch ein Thema, neben Rudern sollten Schwimmmöglichkeiten angeboten werden. Ob so eine künstliche Wasserbahn durch den Spreepark zum neuen Konzept passt oder man dann doch nur Anlegemöglichkeiten für Boote sucht, ließ sich anhand der vielfältigen Vorschläge zu diesem Thema nicht so genau feststellen.

Verkehr / ÖPNV

Bereits zu Anfang der Veranstaltung wurde verkündet, dass der Park ein Park sein soll und der motorisierte Individualverkehr nach Möglichkeit außen vor bleiben sollen. Auch wenn es vereinzelt die Forderung nach Parkplätzen gab, mehr Vorschläge sprachen sich für eine Fährverbindung, für Verkürzung der Taktzeiten der Buslinien, überhaupt für mehr ÖPNV aus. Auch die Parkeisenbahn sollte restauriert und so zum Einsatz kommen, diese könne z.B. Gäste vom S-Bahnhof Treptower Park abholen und zum Spreepark befördern. Aber auch eine Parkeisenbahn innerhalb des Spreeparks würde gebenenfalls reichen.

Der Dammweg soll nicht ausgebaut werden, war auch eine mehrfache Forderung, wahrscheinlich von den Anwohner*innen, die anwesend waren. Andererseits sind Rettungswege und Leitungswege zu gewährleisten. Auch hier ist wieder die Abwägung zwischen Erforderlichkeit und Wünschen der Nachbarn zu suchen.

Barrierefreiheit war auch auf allen Tafeln zu finden, sowohl die Zuwegung als auch die Veranstaltungen selbst und möglichst viele Freizeit- und Sportangebote sollten diese Forderung erfüllen. Wenn wirklich allen der Zugang zum Park ermöglicht werden soll, muss diese Forderung umgesetzt werden, um Menschen, die nicht gut zu Fuß sind oder einen Rollstuhl bzw. andere Hilfsmittel nutzen, nicht auszuschließen. Barrierefreiheit bedeutet aber auch, erlebbare Angebote für Blinde, Taube und Taubstumme zur Verfügung zu stellen, das halte ich für die eigentliche Herausforderung für den Spreepark.

Teile des Kulturparks erhalten

Nicht nur das Riesenrad, dessen Erhalt unter den Teilnehmenden höchstwahrscheinlich nahezu Konsens war, waren auch hier die Forderungen vielfältig. Von der kompletten Sanierung des Kulturparks bis zu einem Spreepark-Museum – das ich für eine gute Idee halte – war vieles dabei. Auch den Erhalt von Karussell und Achterbahn wurde gefordert, da bin ich skeptisch, da das weniger mit einer nachhaltigen und schrittweisen Entwicklung zu tun hat und dann doch wieder eher Richtung Kulturpark tendiert. Den Ansatz Erinnerungsorte zu schaffen dagegen findet meine uneingeschränkte Zustimmung, dazu müssen aber die Fahrgeschäfte selbst nicht bzw. nicht vollständig erhalten werden.

Vom Märchenpark bis zum Pfad der Sinne

Räume der Stille un ein Pfad der Sinne wurden als Möglichekeiten des sanften Naturtourismus vorgeschlagen, wie auch die Einrichtung von Gemeinschaftsgärten mit urbanem Charakter. Spiel und Spaß sollen neben einem Märchenpark für die Kinder genügend Spielplätzen und auch ein Areal mit Baumhäusern bieten. Ein Bürgerhaus mit integrierten (Künstler)Werkstätten wurde als zentraler Ort der Begegnungen vorgeschlagen. Der Vorschlag ist mir sympathischer als der für einen Festplatz, wo mich frage, wozu man ihn braucht.

Kurz und gut – Die teilnehmenden Berliner*innen haben sich viele Gedanken gemacht, wie der Park gestaltet werden kann. Was daraus wird, ich bin da etwas skeptisch angesichts der Form der Durchführung der Dialogveranstaltung, lasse mich aber gern überraschen.

Ein Satz auf der Veranstaltung hat mich besonders beeindruckt, also habe ich ihn aufgeschrieben, ich kann ihn leider nicht mehr einer Person zuordnen:

„Die Entwicklung des Spreeparks ist ein einmalige Chance für ein Projekt, dass nie fertig werden darf.“

Ein schöner Schlusssatz, der die Nachhaltigkeit und auch die schrittweise Entwicklung sowie temporäre Angebote mit einschließt. Nicht fertig werden wollen, heißt für mich aber auch, dass eine ständige Beteiligung für die Weiterentwicklung wünschenswert wäre, bisher geht diese nur bis zur Erstellung des Masterplanes. Was danach kommt, ist noch nicht bekannt.

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