Weltfrauenkampftag – wieder Rosen und mindestens eine Erkenntnis

Der internationale Frauentag begann für mich heute morgen mit einem Bericht des ARD-Morgenmagazins, wonach Frauenprodukte teurer als Männerprodukte sind. Der Beitrag endete damit, dass Frauen in der Bar dafür das eine oder andere Getränk kostenlos erhalten würden.

Zugeben, ich war noch nicht ganz wach, aber ich habe nicht verstanden, was dieser Bericht mit dem Kampf um mehr Frauenrechte zu tun hat. Unter anderem war das Team bei einer Friseurin, aber statt zumindest die prekären Arbeitsbedingungen der Friseurinnen anzusprechen, die oftmals als Selbstständige sich ihren Platz im Friseursalon buchen müssen oder als Angestellte gerade mal den Mindestlohn bekommen, wurden sich darüber beschwert, dass die Preise beim Friseur für Frauen höher sind als bei Männern. Hauptsache die Haare sind schön? Thema verfehlt und ich habe mich schon vor dem ersten Kaffee aufgeregt.

Am Bahnhof auf dem Weg zur Arbeit stand wie jedes Jahr die SPD mit Rosen, dieses Mal ein mir gut bekannter Bezirksstadtrat der SPD, der den vorbeieilenden Frauen jeweils eine Rose geschenkt hat. (Fair Trade). Mit dem höflichen „Guten Morgen“ hatte ich schon eine Rose in der Hand. Eine nette Geste?  Ja irgendwie schon, wenn die Wahlwerbung für die Kandidatin meines Wahlkreises nicht gewesen wäre.

Die Werbung für die Gleichstellung habe wohl nicht nur ich vergeblich gesucht, aber vielleicht ging es der SPD auch darum, sich dafür zu entschuldigen, dass trotz gefühlter Ewigkeit an der Macht das mit der Gleichstellung dann doch noch ein wenig dauern wird. Die Rose hat Wasser bekommen und schmückt jetzt mein Büro, konnte sie ja nicht wegwerfen, nur die Wahlwerbung, die landete im Papierkorb. Liebe SPD, das nächste Mal reicht auch einfach

In der S-Bahn wie immer, Twitter auf, ein wenig gelesen und den Fehler des Tages begangen, den Hashtag #Weltfrauentag anzuklicken. Leider  wie jedes Jahr fühlten sich dort Mitmenschen, meist männlichen Geschlechts dazu aufgerufen, den Frauen ihren Platz weit unterhalb ihrer selbst zuzuweisen oder mit sexistischen Sprüchen sehr weit unter der Gürtellinie mir den Tag zu versauen.  (kein Link – kein Beispiel – muss ich nicht verbreiten) So viel kann man gar nicht blocken. Das hat allerdings gezeigt, dass weder die Gleichberechtigung, die Gleichstellung und schon gar nicht der Feminismus in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist.  In der Mittagspause noch mal geklickt, war schon besser, man könnte sagen ein Gleichgewicht zwischen Glückwünschen und Hinweisen zum Weltfrauenkampftag, Internationalen Frauentag und den immer sich noch tummelnden (und geteilten bzw. favorisierten)  sexistischen und abwertenden Sprüchen war hergestellt. Empfehlenswert übrigens der Beitrag des NDR über Burnout von alleinerziehenden Müttern – endlich mal etwas, dass zum Thema passt.

Nun bin ich nicht DIE Feministin, dafür habe ich mich wirklich noch viel zu wenig mit der Thematik beschäftigt. Noch vor ein paar Jahren hatte ich den Sinn der Quote nicht verstanden, gut fünf Jahre in der Piratenpartei haben mich dann doch gelehrt, dass Frauen für ihre Rechte jeden Tag wieder neu kämpfen müssen, wenn man zumindest bereit Erreichtes bewahren will – von Fortschritten nicht zu sprechen. Gerade einigen Feminist*innen, die damalig auch Mitglied dieser Partei waren, verdanke ich diese Erkenntnis. Vielen Dank dafür!

So und jetzt? Ich würde mich freuen, wenn im Gegensatz zum Satirespot von Extra3 nicht vom 09.März bis zum 07. März Männertag ist und nur einen Tag die Frauen geachtet werden und sich dann besondere Mühe gegeben wird bzw. die Thematiken Gleichstellung und Feminismus durch alle Medien an nur einem Tag gejagt werden. Achtet uns Frauen doch einfach jeden Tag – Deal?

Im Ernst, für eine wirkliche Gleichstellung fehlt es noch an vielem, angefangen von gleichen Chancen in Bildung und Beruf, Pflichten rund um die Familie bis hin zu den immer noch prekären Beschäftigungsverhältnissen der gerade in typischen Frauenberufen des Niedriglohnsektors Beschäftigten. Immer noch werden männliche Bewerber bei der Vergabe um eine Anstellung / Posten (vor allem wenn es um Verantwortung geht) nur allein deshalb bevorzugt, weil sie keine Frau sind. Immer noch gehen viele, viele Frauen davon aus, sie müssten besser sein als ihre männlichen Bewerber, um im Beruf voranzukommen. Immer noch muss man das als Frau auch. Kein Wunder, dass irgendwann zwischen Familie, Burnout und selbstauferlegten Erwartungen die berufliche Laufbahn einen Knick bekommt bzw. einfach endet. Auch darüber denke ich nach, wie wird die kommende Generation mit dieser stetig über die Jahre anwachsenden Erwartungshaltung umgehen? Am Ende des Tages steht für mich ein

Riesen-#Seufz

Es bleibt noch so viel zu tun und ob ich mit meinen fast fünf Jahrzehnten noch Gleichstellung erlebe, steht eher in den Sternen, als in den Masterplänen der jeweils regierenden Parteien. Und wenn wir dann über den Tellerrand Europa schauen, wird uns dann klar, wie viel noch fehlt an einer tatsächlichen Gleichstellung?

Mal sehen, wie der nächste Weltfrauenkampftag am 08. März 2017 für mich aussieht.

 

 

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