Mit Delegated Voting kann jeder bei Liquid Feedback selbst über die Art und Umfang der Beteiligung entscheiden.

Mit Delegated Voting kann jeder bei Liquid Feedback selbst über die Art und Umfang der Beteiligung entscheiden.

Die Begriffe Mitbestimmung, direkte Demokratie, Bürgerbegehren, Volksentscheid sind längst zum Alltag geworden. Immer mehr wollen bei den Entscheidungen, die sie selbst direkt oder indirekt betreffen, Einfluss ausüben, wollen das ihre Stimme zählt. Der Anspruch ist bereits seit längerem vorhanden, nicht erst seit dem die Piraten auf der Bildfläche erschienen sind und nicht nur die Piraten versuchen ihn umzusetzen.

Der Anspruch war vorhanden, die Wege der Umsetzung nicht. Wie den Anspruch, dass jeder mitbestimmen, mit entscheiden kann bzw. in Entscheidungen eingebunden wird, umsetzen? Versucht man dies innerhalb einer Organisation, eines festen Teilnehmerkreises, kommt man schnell an seine eigenen Grenzen. Wie erreicht man, dass jeder den gleichen Informationsstand hat, gleichberechtigt an Diskussionen teilnehmen kann, vor allem wie erreicht man, dass die Stimme eines jeden Teilnehmers nicht ihren Wert gänzlich oder zum Teil verliert? Wie erreicht man, dass ein  stetiger Einfluss auf Entscheidungen ausgeübt werden kann.

Das andere, meines Erachtens, viel größere Problem ist, wie kann man bewusste Entscheidungen über alle Themen gewährleisten? Wie kann man es auch nur von einem Menschen verlangen, dass er zu jedem Thema in jedem Bereich stets eine Ansicht fundiert vertreten kann? Wie kann man einerseits die Überforderung des einzelnen mit einer Fülle von Entscheidungen vermeiden und andererseits auch jedem die Möglichkeit zur konstruktiven Beteiligung geben, an Themen, die für den Einzelnen von großem Interesse sind.

Das Verfahren Liquid Democracy (fließende Demokratie) ist eine Möglichkeit, wenn man es konsequent vertritt. Als Verfahren, dass sowohl repräsentative Elemente als auch direktdemokratische Elemente in sich vereint, kann dieses Verfahren die Lösung sein, wenn wir jedem Menschen, jedem Teilnehmer die Entscheidung wie weit er sich beteiligt, in welchem Maße und in welcher Art selbst überlassen. Wenn wir  nicht versuchen, diese Entscheidung in irgendeiner Weise in Bahnen zu lenken, die scheinbar als wirkungsvoller dargestellt werden. Wenn wir nicht lernen, die Entscheidungen von anderen über ihre  Art und Weise der Beteiligung als gegeben zu akzeptieren, verbauen wir uns den Weg für die Lösung der zuvor erwähnten Sachverhalte.

Der Anspruch ist weiterhin, für jeden Einstiegsmöglichkeiten im System zu implementieren, nicht nur für die Entscheidungsfreudigen, nicht nur für die, die stundenlang an der Er- oder Überarbeitung eines Themas sitzen können, nicht nur für die, die Rechts- und Sachverständnis besitzen, sondern für alle. Jeder braucht einen anderen Einstieg, der eine wird erst wochenlang beobachten, ohne etwas zu tun, der andere wird sofort versuchen, seine Ansichten im System durchzusetzen, der nächste wiederum wird sich überlegen, wie er das System effektiv nutzen kann.

Keine Überforderung – aber bewusste Entscheidungen treffen und dabei eine gleichberechtigte Beteiligung für Jeden gewährleisten –  diesen Anspruch kann man mit den in Organisationen, Vereinen, Verbänden, Parteien und letztlich auch im Parlament vertretenden repräsentativen System allein nicht erfüllen. Das repräsentative System hat durchaus eine sinnvolle Eigenschaft, die der „Arbeitsteilung“. Man überlässt seine Stimme einem Dritten und je mehr Stimmen dieser erhält, desto stärker werden seine Chancen, stellvertretend für andere Einfluss auf Entscheidungen auszuüben.

Dabei sollte einem gleich auffallen, dass es bereits eine Hürde gibt, die Liquid Democracy mit Delegated Voting nicht aufweist. Die Möglichkeit, Einfluss auf Entscheidungen zu nehmen ist nicht von der Anzahl der Stimmen, die man erhält abhängig, die Wirkung schon. Jeder, ob nur mit seiner eigenen Stimmen, ein paar Stimmgewichten anderen Teilnehmer oder mit einer Anzahl von Stimmgewichten kann Einfluss nehmen.

Zwischenfazit: Mit Liquid Democracy (fließende Demokratie)  unter dem Prinzip von Delegated Voting kann der Anspruch umgesetzt werden, möglichst viele Berechtigte an einer Entscheidung zu beteiligen, entweder durch direkte Beteiligung oder indirekte Beteiligung durch Vergabe des eigenen Stimmgewichts an einen anderen Teilnehmer. Diese Form der Delegation (Delegated Voting) kann der Teilnehmer jederzeit zurücknehmen, sich selbst beteiligen oder an wiederum einen anderen Teilnehmer delegieren. 

Wie ist die Praxis?

Die Praxis ist wie oben erwähnt –  jeder reagiert beim ersten Zusammentreffen mit dem System anders, der eine hängt sich gleich rein, der andere versucht erst einmal die Zusammenhänge zu verstehen und der nächste beobachtet erst einmal nur.

Verstehen sollte man, dass die Vergabe einer Delegation einerseits eine bewusste Entscheidung des Delegationsgebers ist und andererseits, dass diese Entscheidung keinesfalls umgehend erfolgt und keine Sekundensache ist. Zunächst zur Vergabe der Entscheidungen aus der Sicht eines vorsichtigen Nutzers, der ich zu Beginn war. Das Vergeben von Delegationen war für mich ein Prozess, ich musste erst den Sinn erkennen, bis ich von jeder Möglichkeit Gebrauch gemacht habe. Den Sinn, dass eine Delegation in jedem Fall meine Entscheidung ist, in jedem Fall so zu entscheiden, wie der Delegationsempfänger (selbst wenn er gegen meine Ansicht entscheidet) und dass man ohne Delegationen zu vergeben, den Anspruch sich selbst viel und bewusst zu beteiligen, nicht erfüllen kann.

Wenn ich mir die heutige Plattform der Instanz Liquid Feedback der Bundesebene ansehe, bin ich froh über die vielen Piraten, die bewusst, sachlich orientiert dort arbeiten und versuchen die eingestellten Initiativen in programmatische oder organisatorische Aussagen umzuwandeln, denn das schafft niemand allein. Trotzdem sollten gerade Neueinsteiger sich die Zeit lassen, das System kennen zu lernen und nicht dem Anspruch erliegen, überall direkt mitmachen zu müssen, auch nicht dem Anspruch, jetzt sofort für jeden Themenbereich / Thema die passende Delegation zu finden. Lasst euch Zeit mit dieser Entscheidung, damit es auch eine bewusste, überlegte Entscheidung ist. Der Prozess hat bei mir sowohl in der Berliner Instanz als auch bei der Bundesinstanz sehr viele Wochen gedauert, bis ich mir halbwegs sicher war, an wem ich mit welcher Begründung in meinem Kopf eine Delegation erteile.

Vorgehen kann man, wenn man nicht die Möglichkeit hat, eine soziale Entscheidung zu treffen und somit an einen Teilnehmer zu delegieren, dem man entweder den notwendigen Sachverstand oder die erforderliche Sozialkompetenz für die Entscheidung zutraut, in dem man sich Themenbereich für Themenbereich vornimmt. Seht euch die Initiativen und ihre Verfasser an, haben diese andere Initiativen erstellt, unterstützen sie andere Themen, an wen delegieren sie möglicherweise? Wer schreibt Anregungen, findet ihr diese sinnvoll, würdet ihr diese unterstützen (kann man dann auch gleich in die Tat umsetzen muss oder soll anklicken) oder nicht (soll nicht oder darf nicht anklicken) ? Wer wiederum unterstützt die Anregungen (auf Meinungen klicken, wenn ihr zuvor die Anregung samt Text aufgerufen habt.)? Mit der Zeit findet ihr Teilnehmer, die ähnliche Ansichten wie ihr bei einem Thema vertreten, dann kann man eine Delegation erteilen. Eine Entscheidung im Bewusstsein treffen, dass dies eine Entscheidung ist, in jedem Fall so zu entscheiden, wie der Delegationsempfänger, keinesfalls der Ansicht zu sein, dass der Delegationsempfänger in jedem Fall so entscheiden wird, wie man selbst entscheiden würde.

Eine derartig getroffene Entscheidung ist eine Delegation, die ihr vergebt, weil ihr der Ansicht seid, dass der Delegationsempfänger eine fachliche Sachkenntnis zum Thema besitzt. Meinerseits vertraue ich diesem System sehr, wenn jemand in einem Fall nicht so abstimmt wie ich es getan hätte (kommt nicht oft vor) entziehe ich ihm nicht sofort die Delegation, sondern denke darüber nach, warum er es getan hat. Schließlich habe ich anhand meiner bewussten Entscheidung dem Delegationsempfänger Sachverstand zugetraut, war die Entscheidung zutreffend oder nicht. Es gab Fälle, in denen nach längerem Überlegen und näherer Betrachtung des Themas der Delegationsempfänger die zutreffende Entscheidung getroffen hat und meine oberflächliche Einschätzung (weil ich mich nicht ausreichend mit dem Thema befasst habe) nicht zu traf. Daher die Bitte, eine bewusste Entscheidung zu treffen. Betonung liegt auf Bitte, nicht auf Pflicht. Ich komme zum nächsten Punkt:

Jede Entscheidung über die eigene Beteiligung ist zu akzeptieren.

Das meine ich durchaus ernst. Wer sich entscheidet, ich gebe jetzt einfach dem meine Delegation, weil mir sein Avatarbild gefällt oder der Name mir irgendwie etwas sagt, dann ist das eine Entscheidung des Teilnehmers, wie er sein Stimmgewicht verteilen will und diese Entscheidung ist einfach zu akzeptieren, ohne die Gründe dafür in Zweifel zu ziehen. Zu lernen, die eigenen Ansprüche nicht bei anderen Teilnehmern zu verlangen bzw. sogar vorauszusetzen hat auch etwas mit sozialer Kompetenz zu tun. Noch eine Erkenntnis, die jedem Teilnehmer eines Liquid Democracy Systems bewusst sein sollte:

Eine Delegation ist eine Form der Beteiligung.

Beteiligung heißt nicht nur, dass man direkt an einem Thema arbeitet, es direkt unterstützt, direkt Anregungen schreibt, direkt abstimmt. Jeder hat das Recht, über sein Stimmgewicht so zu verfügen, wie er ist für richtig hält und niemand hat das Recht, eine bewusst getroffene Entscheidung anderer zu negieren bzw. deren Stimmgewicht zu mindern. Die gleichberechtigte Teilnahme jedes Nutzers ist für mich A und 0. Diese Gleichberechtigung zerstört man, wenn man aufgrund dessen, dass Teilnehmer delegieren, statt direkt zu handeln, der Ansicht ist, man hätte das Recht, ihr Stimmgewicht zu mindern. Etwas was immer wieder als Verhalten der Zeitelite dargestellt wird oder auch als Diktatur der Aktiven. Wenn wir wirklich gegen die Auswirkungen dieser sozialen Aspekte eintreten wollen, müssen wir erkennen, dass die Teilnehmer im System stets gleichberechtigte Entscheidungen treffen, unabhängig davon, ob sie direkt oder indirekt handeln.

Handelt man dieser Gleichberechtigung entgegen, werden diejenigen Teilnehmer, die sich oftmals indirekt beteiligen jegliche Lust auf Beteiligung bzw. mehr Beteiligung verlieren, weil ihre Entscheidungen nachrangig behandelt werden und ihnen somit das Gefühl gegeben wird, ihr Stimmgewicht ist weniger wert. Eine Plattform zur Willens- bzw. Meinungsbildung ist nicht dafür geeignet, technisch vorhandene soziale Defizite zu lösen, sie ist kein Erziehungsinstrument, vor allem weil es keinen Grund für die Erziehung gibt, wenn man sich immer wieder vergegenwärtigt, dass jede Entscheidung über die Beteiligung zu akzeptieren ist. Selbst die, die sich anzumelden und dann sich nicht mehr, in keiner Form beteiligen und selbst die, die sich nicht anzumelden. All das sind Entscheidungen, bewusste Entscheidungen, auf das eigene Stimmgewicht zu verzichten. Das heißt nicht, dass man nicht potentielle Teilnehmer motivieren sollte, die durchaus bereit sich, sich im System zu beteiligen, aber so etwas wie eine Anfangshürde verspüren und der Meinung sind, sich die Nutzung des Systems einfach nicht zu zu trauen.

 Arten der Delegationen – wie werden diese eingesetzt in Liquid Feedback

Themendelegation

Eine Delegation für ein Thema ist solange gültig, soweit man sich nicht selbst beteiligt, bis das Thema beendet, das heißt die Abstimmung abgeschlossen oder das Thema wegen unerreichten Quoren abgebrochen wurde. Wenn man delegiert hat und auf das blaue Dreieck neben dem Delegationsverweis klickt, sieht man den Weg der Delegation, ob der Delegationsempfänger bereits an andere Teilnehmer delegiert hat (mit der Version 2.0 wird dies noch offensichtlicher dargestellt). Wenn ihr jetzt das Thema unterstützt, eine Anregung schreibt oder eine Anregung unterstützt, wird die Delegation ebenso unterbrochen, wie wenn ihr selbst in der Abstimmungsphase von eurem direkten Stimmrecht Gebrauch macht.

Themendelegationen sind unterschiedlich zu betrachten, manche währen die gesamte Zeit des Durchlaufs des Themas, andere werden bereits in der Diskussionsphase durch Unterstützung, Zustimmung oder Ablehung einer Anregung durchbrochen. Im großen und ganzen kann man die Aussage treffen, dass sich die Wirksamkeit der Delegationen während eines Themas durchaus ändert, in der Abstimmphase ist die direkte Beteiligung meist höher als bei der Unterstützung des Themas.

Themendelegationen werden nach unterschiedlichen Aspekten vergeben, man kennt den Delegationsempfänger, kennt seine Sachkenntnis bzw. soziale Kompetenz. Man vergibt die Delegation an die oder einen Verfasser der Initiative oder einen Verfasser oder Unterstützer einer Anregung. Je nach dem, wem man nach seiner eigenen bewussten Entscheidung die höhere Kompetenz zutraut. Andere wiederum vergeben Delegationen an Themenbereichs-Mitglieder, selbst wenn diese sich noch nicht direkt an der Initiative beteiligt haben. Es ist in jedem Falle die eigene, freie, bewusste Entscheidung.

Welche Delegationen bestehen kann man am Reiter Delegationen erkennen, wenn man das Thema (nicht die Initiative) anklickt.

Themenbereichsdelegationen

Die Delegation ist solange gültig, wie der Themenbereich existiert oder man selbst Nutzer der Plattform ist, es sei den die Frist zur aktiven Anmeldung (momentan 180 Tage) ist überschritten, also man meldet sich innerhalb von 180 Tagen nicht an, dann wird die Delegation aufgelöst, man kann sie aber sofort bei der nächsten Anmeldung wieder neu erteilen.

Man kann als Grund anführen, dass man Themenbereichsdelegationen vergibt für Themenbereiche, bei denen man sich selbst nicht besonders direkt aktiv beteiligen möchte, ob nun aus Desinteresse oder weil andere Themenbereiche und deren Themen einfach die Aufmerksamkeit fesseln. Würde man hier mit den Gründen schließen, wäre dies eine sehr subjektive und nicht zutreffende Aussage, wie man am Ende des Beitragsteils erfahren kann. Es gibt viele Gründe für die Vergabe von Delegationen.

Themenbereichsdelegationen werden u.a. an Teilnehmer vergeben, zu denen man selbst eine soziale Beziehung hat bzw. deren Sachkenntnis man sich zutraut, einschätzen zu können. Eine Orientierung an bereits vorhandene Delegationen findet auch statt, dabei sowohl, dass man an Teilnehmer delegiert, an die andere delegieren, als auch in der Richtung, dass man an Teilnehmer delegiert , denen man Kompetenz zutraut, aber die nicht gerade eine hohe oder die höchste Anzahl Delegation im Themenbereich aufweisen. Delegationen erfolgen auch an Teilnehmer, die Mitglieder des Themenbereichs sind oder die selbst durch direkte Aktivität im Themenbereich auffallen. Es ist sehr unterschiedlich, die Art der Vergabe einer Delegation ist so verschieden, so verschieden die Teilnehmer agieren.

In dem Moment, in dem man ein Thema unterstützt, eine Anregung schreibt oder eine Anregung unterstützt, selbst eine Initiative verfasst, selbst die Abstimmung im Thema vornimmt. verliert die Themenbereichsdelegation für dieses Thema seine Gültigkeit. Das Gleiche gilt, wenn man eine Delegation für ein Thema vergibt und dieser entweder direkt aktiv wird oder selbst eine Delegation vergibt, die wiederum aktiv wird. Wenn jedoch weder der Delegationsempfänger, noch der Delegationsgeber oder andere Teilnehmer einer Delegationskette, die für das Thema gültig ist, aktiv werden, wird die Themenbereichsdelegation aktiv.

Das ist u.a. ein Grund dafür, dass viele direkt aktive Teilnehmer eine Themenbereichsdelegation vergeben, selbst wenn man selbst, der Delegationsempfänger des Themas oder andere der Delegationskette nicht aktiv werden, kann das eigene Stimmgewicht noch durch die Aktivität des Delegationsempfängers des Themenbereichs noch Einfluss auf die Entscheidung zum Thema ausüben.

Für mich persönlich sind Delegationen in Themenbereichen das erste Netz, dass sicherstellt, dass mein Stimmgewicht nicht verloren geht. Es ist eine bewusste Entscheidung von mir, dass im Falle der Inaktivität der Themendelegationen und meiner eigenen Inaktivität, ich mich mit meinem Stimmgewicht so verhalte, wie der Delegationsempfänger der Themenbereichsdelegation.

Globale Delegationen

Man vergibt diese Delegation an einen Teilnehmer des Systems und diese besitzt ihre Gültigkeit, solange man selbst Nutzer der Plattform ist bzw. sich innerhalb von 180 Tagen mindestens einmal angemeldet hat. Die globale Delegation erstreckt sich auf alle Bereiche, in denen man selbst aktiv werden kann. Sie wird durch direkt aktive Themenbereichsdelegationen, durch direkt aktive Themendelegationen unterbrochen, wie auch durch die eigene direkte Aktivität.

Die globale Delegation ist die meist kritisierte Delegation in Liquid Feedback Plattformen der Piratenpartei. Es wird suggeriert, dass Teilnehmer sich nur alle paar Wochen im System anmelden würde,  um eine Delegation zu vergeben. Es ist auch von einmaligem Verhalten die Rede, dass durch die Umsetzung der Begrenzung der Gültigkeit der Delegationen auf 180 Tage sein Ende gefunden hat, wenn man sich in diesem Zeitraum nicht anmeldet.

Mich stören zwei Aspekte an dieser Art von Aussagen. Der erste ist der, dass es für mich eine bewusste Entscheidung ist, ob ich eine globale Delegation vergebe und nur selten oder auch gar nicht direkt aktiv werde bzw. andere Delegationen vergebe. Eine Entscheidung, die zu respektieren ist, weil der Teilnehmer sie mit seinem Stimmgewicht getroffen hat und ich von einer gleichberechtigten Teilnahme jedes Nutzers im System ausgehe.

Selbst die 180 Tage Begrenzung sind mir zu viel, aber es war eine demokratische Entscheidung im System. Es liegt bereits eine Empfehlung aus Liquid Feedback vor, Delegationen im Bundesliquid auf 90 Tage zu begrenzen, eine Empfehlung, die ich beispielsweise in der Berliner Instanz für nicht umsetzbar halte, das wir uns dort für Regelwerke bei Erabeitung von Programm- und Satzungsänderungsanträgen entschieden haben, die durchaus mehr als 100 Tage dauern können, wenn auch die Neu-Phase ausgereizt wird. Ich frage mich, ob sich nicht auf mal auf Bundesebene die Regelwerke ändern können, dass sich diese verlängert, gerade wenn die Anzahl der Teilnehmer weiter steigt und man zur Erkenntnis gelangt, dass man längere Diskussionszeiträume für weitreichende Ergebnisse aus Liquid Feedback benötigt. In diesen Fällen wäre die Delegationsbegrenzung auf 90 Tage eine Farce, weil man nicht einmal sicherstellen könnte, dass eine Delegation über den gesamten Zeitverlauf eines Themas reicht. Und ich frage mich, warum diese Erziehungseffekte?

Der andere Grund, weshalb ich nichts von der Kritik an Globalen Delegationen halte, ist das diese Art der Delegation, die man ja nur einmal vergeben kann, für mich und andere Teilnehmer das doppelte Netz ist, Einfluss des eigenen Stimmgewichts auf eine Entscheidung zu erlangen, wenn man selbst nicht aktiv ist, keine Themen- oder Themenbereichsdelegation vergeben hat bzw. diese nicht aktiv werden. Das Stimmgewicht geht nicht verloren.

Anmerkung: Wenn der Fall eintritt, das gilt für alle Delegationsarten, dass der Teilnehmer auf den man delegiert hat, nicht mehr Nutzer der Plattform ist, wird man auf der Startseite auf dieses Problem im dann existierenden Reiter Delegationsprobleme hingewiesen. Auf der Startseite kann man sich über die jeweiligen Reiter auch die ausgehenden und eingehenden Delegationen anzeigen lassen, die die eigene Person betreffen.

Teilnehmer, die Stimmgewichte auf sich vereinigen

Wenn Teilnehmer sich durch direkte Aktivität oder Sachkompetenz auszeichnen, ihnen einfach nur so vertraut wird und so weiter… erhalten sie manchmal mehr als eine Delegation, manchmal auch sehr viele und dann kommen die Nutzer auf den Plan, die das für ungerecht halten, die darin eine Machtkonzentration sehen. Wenn man bis hierher aufmerksam gelesen hat, dann wird man wissen, dass ich diese Ansicht nicht teile.

1. Jeder Teilnehmer ist gleichberechtigt im System, die Gleichberechtigung schließt sowohl ein, eine Delegation vergeben zu können, als auch an eine beliebige Person diese zu vergeben zu können. Jede Begrenzung der delegierten Stimmgewichte bei einem Teilnehmer macht dieses Prinzip zu nichte, da den Teilnehmern bei Wirksamkeit nur ein eingeschränkter Anteil von Delegationsempfängern zur Verfügung steht. Die bewusst getroffene Entscheidung, auf einen bestimmten Teilnehmer delegieren zu können, kann dann nicht umgesetzt werden. Je mehr Teilnehmer im System, in Themenbereichen aktiver werden, desto mehr werden sich die Delegationen verteilen, also wer diese Delegationen kritisiert, überlegen warum die Teilnehmer diese erhalten und selbst aktiv werden.

2. Es ist keineswegs so, dass man die Anzahl der Delegationen, die man entweder zu Anfang einer Initiative hat bzw. im Verlaufe der Initiative sammelt auch noch bis zum Abschluss der Abstimmphase hat. Das ist ein Unterschied zum Delegiertensystem, wenn man seine eigene Entscheidung trifft, als jemand der im bisherigen Verlauf viele Delegationen auf sich vereint hat, dann weiß man schlichtweg nicht, wie viele es noch sind, dass erfährt man erst nach Abschluss der Abstimmphase und meiner Erfahrung nach, sind es immer weniger als vor Beginn der Abstimmphase. Das heißt, dass die Teilnehmer durchaus u.a. auch die bewusste Entscheidung treffen, jemanden für die Phase der Bearbeitung des Themas, Unterstützung des Themas, Erstellung von Gegeninitiativen oder Anregungen ihr Stimmgewicht verleihen, bei der Abstimmung aber wiederum bewusst wiederum von ihrem Stimmgewicht Gebrauch machen.

3. Als Delegationsempfänger einer Mehrzahl von Delegationen handelt man automatisch bewusster, auch wenn ich 100 x schreibe, dass eine Delegation bedeutet, dass derjenige in jedem Fall so abstimmen möchte, wie der Delegationsempfänger, überlegt man sich sie Entscheidungen länger und informiert sich mehr – vergibt ggf. auch selbst eine Delegation – weil man sich der Verantwortung für die eingehenden Stimmgewichte bewusst ist. Dieses Bewusstsein hat sozialen Ursprung und je länger Teilnehmer eine Mehrzahl von Stimmgewichten auf sich vereinigen, desto eher gibt dies für mich das Signal, dass diese Teilnehmer verantwortungsvoll handeln, ansonsten sind sie die Delegationen auch wieder, zumindest Teile davon schnell wieder los.

Ende

Da bin ich wieder am Anfang, bei dem Verfahren Liquid Democracy halte ich es für sehr wichtig, dass die Gleichberechtigung der Teilnehmer erhalten bleibt, dass jede Entscheidung über die Art und Weise der Beteiligung zu akzeptieren ist, gerade um das System nicht nur von den Teilnehmern zu bestimmen zu lassen, die das Interesse, die Intensität und die Zeit aufbringen und aufbringen können, an fast jedem Thema der Plattform aktiv zu werden. Jede Einschränkung der Beteiligungsmöglichkeiten wird meines Erachtens zu weniger Beteiligung führen. Vielleicht sollten wir uns auch darüber eingehender verständigen, was wir jeder für sich unter Beteiligung versteht oder unter direkt aktiv oder indirekt aktiv.

Ich halte nichts davon, dass Stimmgewicht der Teilnehmer in Abhängigkeit von der Art der Beteiligung zu sehen.

P.S. Wer Analysen und Zahlen sucht, sucht vergebens, ich bin ein aktiver Nutzer und das ist in jedem Fall meine subjektive Sicht auf diese Problematik. Ich bin der Ansicht, dass Liquid Feedback wie momentan kein anderes mir bekanntes System unsere in der Realität ebenso vorhandenen Handlungsweisen und sozialen Verbindungen sichtbar macht, die uns in der  Realität nicht in dem vorhandenem Maße bewusst sind. Wer analysieren möchte, sollte sich somit der Analyse der realen Verbindungen der Piraten unter sich zu wenden und ohnehin gilt, traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast. Zahlen sind Zahlen, in sie kann das interpretiert werden, was man sich als Ergebnis wünscht, in dem man einfach ein paar Aspekte außer Acht lässt, daher wähle ich lieber die ausführliche wörtliche Form im vollen Bewusstsein, dass ich auch mit diesem Text Einfluss ausübe. 

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7 Gedanken zu “Mit Delegated Voting kann jeder bei Liquid Feedback selbst über die Art und Umfang der Beteiligung entscheiden.

  1. Antwort an DominikTheta zu 22.06.2012 – 23:38 Uhr

    Grundmotivation

    Das System Liquid Democracy mit der Möglichkeit ständig die Delegationen zu wechseln bzw. direkt aktiv zu werden, kann nur so funktionieren, dass man keine Erwartungshaltung an den Delegationsempfänger hat, was das Ergebnis des Themas in einer bestimmten Richtung angeht. Der Delegationsempfänger soll sich weiterhin so verhalten, wie er es bisher getan hat, weil daher hat er die Delegation bekommen.

    Wenn verschiedene Delegationsgeber verschiedene Forderungen hinsichtlich des Ergebnissses des Themas haben und diese Forderung an den Delegationsempfänger stellen, führt es zu einer Ungleichbehandlung der Teilnehmer. Die einen stellen Forderungen, die anderen müssen sie erfüllen. Schon eine Ungleichheit, wenn man nicht die eigene Ansicht vertreten kann, sondern die der Delegationsgeber vertreten soll. Das wäre in einem System der repräsentativen Demokratie weitgehend zu erwarten, aber dort werden die Delegationsempfänger gewählt, mit einem bestimmten Auftrag auf ihre Bewerbung hin gewählt. Delegationsempfänger bewerben sich nicht, sie werden als Träger des eigenen Stimmgewichts genutzt, wenn man deren Arbeitsweise oder Fach-/Sozialkenntnis schätzt.

    Die Erfüllung der Forderungen würde voraussetzen, dass die erteilte Delegation Bestand hat, das hat sie im Liquid Democracy System nicht, sie kann jederzeit wechseln. Also kann man Forderungen stellen, so mit den Delegationsempfänger beeinflussen, eine andere Ansicht zu verfolgen und entzieht ihm trotzdem das Stimmgewicht. Kein Delegationsempfänger kann sich am Ende der Abstimmung sicher sein, dass er alle Delegationen aus den anderen Phasen des Systems noch hat, gerade daher soll jeder Teilnehmer seine eigene Entscheidung treffen und sich nicht von anderen beeinflussen lassen. Wenn weiter verfolgt wird, dass Delegationen mit einer Forderung verbunden sind, sind wir beim System der repräsentativen Demokratie, bei der es im Endeffekt um Interessenvertretung und Wiederwahl geht. Aber gerade mit dem System Liquid Democracy wollen wir Lobbyismus sichtbar machen und seine negativen Auswirkungen auf Entscheidungen vermeiden. Dadurch, dass Stimmgewichte wechseln, lohnt es sich nicht, auf bestimmte Teilnehmer zuzugehen, weil man sich nicht sicher sein kann, dass diese am Ende der Abstimmung noch das gegenwärtige Stimmgewicht haben.

    Darüber hinaus besteht kein Zwang für jedes Thema, jeden Bereich eine Delegation zu vergeben, ich halte es aus meiner Sicht für wünschenswert, aber es ist keine Vorschrift. Wenn man sich zu unsicher ist, dann kann man sich auch passiv durch fehlende Delegation und Beteiligung enthalten, auch das ist eine zu respektierende Entscheidung. Wenn man dies macht, kann man aber anderen, die diese Möglichkeit des Systems nutzen, keinen Vorwurf machen, dass sie es tun.

    Aus welchen Gründen man selbst eine Delegation vergibt, kann ich nicht sagen, ich kann nur beschreiben, welche das System unterstützt und welche nicht, wer Forderungen hat oder möchte, dass nur eine bestimmte Person das eigene Stimmgewicht ohne Weitergabe erhält, wird seitens des System nicht unterstützt, da das Delegationssystem als Vollmachtsystem vorgesehen ist. Wer ein bestimmtes Ziel verfolgt, muss direkt aktiv werden. Man kann nicht mehr vom System erwarten, als es leisten kann. Es kann nicht unsere sozialen Probleme lösen und unsere fehlende Kompetenz, in andere Vertrauen zu investieren, das Vertrauen muss vor der Delegation vorhanden sein.

    Repräsentation

    Es ist ein Fehler anzunehmen, dass der Delegationsempfänger dich als Teilnehmer repräsentiert, das wäre repräsentative Demokratie mit Kandidatenvorstellung und Wahl der Delegierten, aber nicht Liquid Democracy, dass auf der Basis von Vertrauen und Verantwortung funktioniert. Wenn du dich von dieser Forderung lösen kannst, wirst du das System besser verstehen, es ist eine Arbeitsteilung, der Delegationsgeber kümmert sich für dich um ein Thema, ohne dass du dessen Richtung beeinflussen kannst, wenn du dir unsicher bist, musst du das Thema weiter verfolgen und ggf. mittels Verfasser von Anregungen und Alternativen vielleicht die Delegation wechseln. Die Vergabe einer Delegation ist kein abgeschlossener, sondern fortlaufender Prozess, der sich in Abhängigkeit zu den Erwartungen, die man selbst verfolgt, bewegt.

    Die Idee das Stimmgewicht auf mehrere Personen zu verteilen scheint auf den ersten Blick von Vorteilen getragen zu sein. Nur kann das jeder Teilnehmer, also jeder Teilnehmer, auch an denen du eine Delegation vergibst, kann sein Stimmgewicht aufteilen. Bei einem Thema mit wenig Delegationen mag das noch nachvollziehbar sein, aber in der Masse ist es für den Teilnehmer nicht mehr nachvollziehbar, wo der bei der Abstimmung direkt aktive Teilnehmer sein Stimmgewicht bekommen hat und ob das System richtig gerechnet hat. Gerade weil ich ein durch die Teilnehmer überprüfbares System favorisiere, bin sich sehr skeptisch gegenüber dieser Lösung eingestellt.
    Die Frage ist auch ob es eine Lösung ist. Was bringt es, wenn du dein Stimmgewicht auf verschiedene Teilnehmer aufteilst und es letztendlich doch wieder bei denen von den Teilnehmer favorisierten Delegationsempfängern durch Weiterleitung landet. Wenn du dich eingehend mit den jetzigen Verhältnissen im Bundesliquid beschäftigst, so haben die „Stimmgewaltigen“ oftmals andere „Stimmgewaltige“ die auf sie delegieren. Du würdest also dein Stimmgewicht aufteilen und das Ergebnis wäre unter Umständen das Gleiche.

    Ich glaube, dass Grundproblem ist, dass man bestimmte Erwartungen mit der Delegation verknüpft, wie man es lösen kann, außer durch ständiges Erklären, weiß ich allerdings auch nicht.

    Entscheidungen

    Durch das Präferenzwahlsystem habe ich die Möglichkeit als normaler Teilnehmer wie auch als Delegationsempfänger, nicht nur eine Variante zu favorisieren, sondern mehrere oder auch alle. Ich muss mich nicht für eine Alternative entscheiden, oder ich vergebe Präferenzen, dass die eine Alternative in meinen Augen besser ist als die andere und trotzdem gebe ich auch der zweiten Alternative eine Chance. Man muss sich somit nicht zwischen gleichwertigen Alternativen entscheiden, man kann sie alle befürworten, nur eine oder Präferenzen vergeben, völlig unabhängig davon, ob man Delegationen hat oder nicht. Vom System her ist angedacht, dass sich jeder Teilnehmer unabhängig von den Delegationen, die man auf sich vereint, sich entscheidet. Aufgrund unserer sozialen Veranlagung werden oftmals Entscheidungen von Teilnehmern, die mehr als ein Stimmgewicht auf sich vereinen, anders getroffen, als würde man nur für sich entscheiden. Das ist nicht negativ, ein Kann, aber kein Muss.

    Zufall

    Jedes System wird beeinflusst, von inneren Einflüssen, aber mehr noch von äußeren Einflüssen. Delegationen sind einen Vertrauensentscheidung, sie bilden soziale Gebilde ab, die mitunter auch in der Offline-Welt existieren. Aber das System bildet diese Verbindungen nur ab, es schafft sie nicht, dass sind wir selbst. Wir lassen uns täglich bei jeder Entscheidung beeinflussen, ohne dass es allen bewusst ist, aber von einem System verlangen wir, dass es keine Beeinflussung zulässt. Das ist in meinen Augen unmöglich, solange wir noch Menschen und keine ferngesteuerten Roboter sind. Menschen agieren sozial, knüpfen Verbindungen, finden andere sympathisch. Alles Entscheidungen, bei denen wir uns beeinflussen lassen, es gibt keine, bei der wir es nicht tun.

    Politischer Wille

    „Ich denke schon, dass es darum geht seinen politischen Willen auszudrücken. Zwar kann man den politischen Willen nur ganz konkret ausdrücken, wenn man sich selbst mit dem Thema befasst, aber auch die Wahl einer Person (oder Partei) ist Ausdruck des politischen Willens, denn ich treffe meine Entscheidung ja auch auf Basis von politischen Statements und Handlungen meiner Delegierten. Aus meiner Sicht ist es idealerweise(!) so, dass wenn eine Entscheidung im LQFB getroffen wurde, eine Mehrheit der Piraten, wenn sie sich ausführlich mit dem Thema beschäftigen würden, dieser Entscheidung zustimmen können.“

    Wenn du deinen eigenen politischen Willen zum Ausdruck bringen willst, dann musst du dich direkt aktiv beteiligen, bei einer Vergabe einer Delegation kannst du wegen fehlender Auftrags- und Kontrollmöglichkeiten nicht die Entscheidung des Delegationsempfängers voraussehen.

    Im Großen und Ganzen ist die Vergabe von Delegationen keine Sekundenentscheidungen, auch wenn das auch vorkommt. Die Vergabe einer Delegation setzt einen Aufwand bei der Beobachtung eines Bereiches oder eines Themas voraus bzw. ich kenne einfach einen Teilnehmer persönlich und schätze dessen Kompetenz. Delegationen sind nicht statisch, wenn gleich durch langfristige Delegationsvergabe auch langfristige Beziehungen entstehen. Ob diese in jedem Fall wirksam sind, ist wiederum von der eigenen direkten Aktivität und der Delegationsvergabe bei Themen abhängig, auch davon werden Delegationen in Themenbereichen oder globale unwirksam. Ich sehe es als Prozess an, der sich laufend fortführt. Immer wieder gibt es neue Teilnehmer im System, die durch direkte Aktivität auffallen und somit Delegationen erhalten.

    Mein Eindruck ist, dass das System durch die wechselseitigen Beziehungen und Interaktionen lebt, dass es nicht so genutzt wird, wie man es idealerweise nutzen kann, ist mir auch klar. Idealerweise würden wir uns wünschen, dass bei Volksbegehren die Mehrheit der Stimmberechtigten mitmacht, in der Realität ist es keine Mehrheit, es ist Realität, dass nicht jeder Stimmberechtigte politisch interessiert ist, wie es auch Realität ist, dass nicht jeder Pirat an der innerparteilichen Willensbildung mit welchem Mittel auch immer teilnimmt.

    Gegen Verbesserungen des bestehenden Systems habe ich nichts, nur werde ich meine Skepsis zum Ausdruck bringen, wenn es dir gelingt, diese in Hinsicht der Aufteilung der Stimmen zu widerlegen, dann bitte 😉

  2. Ich schlage vor, ihr fragt die 29.000 Mitglieder, die nicht regelmäßig mit LQFB arbeiten, was sie davon halten, nicht die sowieso aktiven Nutzer. Es sei denn, man sieht LQFB als ein Werkzeug elitärer Vorentscheidungspolitik an. In der Praxis ist LQFB zu kompliziert und zu aufwendig zu bedienen, weshalb es in dieser Form kein Massenwerkzeug werden wird.

    Meine Meinung dazu hier: http://jomenschenfreund.blogspot.de/2012/07/liquid-feedback-das-digitale.html

    Ich bin für LQFB, aber zur Nutzung durch jedes Mitglied, und als Anreiz sich zu beteiligen. Im Moment scheint das Schwergewicht nicht darauf zu liegen, Massenbeteiligung zu erhalten, sondern durch Delegationen Entscheidungen fällen zu können. Dies steht in krassem Widerspruch zum Delegationsverbot auf Parteitagen.

    1. Aktivität allgemein – die Erwartung, dass sich 90 % einer größeren Organisation an einem Projekt beteiligen, ist sehr hoch und unerfüllbar. Wie sich jeder in der Organisation in der er Mitglied ist, einbringt, ist ihm überlassen. Das ist auch bei den Piraten nicht anders, es nehmen nicht 10.000 am Parteitag teil, es beteiligen sich auch nicht 10.000 an Umfragen, es ist immer ein Anteil derer, die aktiv sind, je nach Interessen- und Zeitlage. Alle Systeme, auch die der direkten Demokratie sind Systeme, bei denen lediglich die Teilnehmer Einfluss gewinnen, diejenigen, die keine Notiz vom Sachverhalt nehmen, kein Interesse haben, werden sich nicht beteiligen, es ist auch eine Entscheidung, die sie treffen, wenn sie bei Unterschriftensammlung ablehnen, mitzuhalten, wenn sie bei Wahlen ablehnen, hinzugehen.

      Wir sind nicht besser als der Durchschnitt der Gesellschaft und der Durchschnitt der Gesellschaft ist selbst nicht politisch interessiert, sondern verlässt sich darauf, dass es die aktiv interessierten für sie erledigen. Das ist die Realität, wir sollten sie verstehen und begreifen und zunächst alle direkt aktiven und interessierten Teilnehmer zur Beteiligung verhelfen, das andere die Uninteressierten langsam zum Interesse zu führen ist eine andere Aufgabe, die kein System erledigen kann, sondern eine gesellschaftliche Entwicklung darstellen kann.

      Da du am Schluss deines Kommentars Delegationen in Liquid Feedback mit Delegationen auf einem Parteitag (repräsentative Demokratie) vergleichst, verweise ich auf den anderen Blogbeitrag zum Vergleich repräsentative Demokratie und Liquid Democracy, man kann beides nicht gleichsetzen. Ich gehe davon aus, dass du den Blogbeitrag gelesen hast, weil du ihn kommentiert hast.

      P.S. Auf deinen Blogtext bin ich hier nicht eingegangen, ich werde ihn in deinem Blog beantworten, in den nächsten Wochen.

  3. Hallo Loreena,

    danke für dieses klare Pladoyer für die Freiheit zu Delegieren! Ich bin auch der Ansicht, dass eine Stimmgewichtsbeschränkung oder eine Einschränkung zu Delegieren Einschränkungen sind wie ich als Pirat meinen politischen Willen auszudrücken habe. (Bis auf den Delegationsverfall nach 180 Tagen, den finde ich sehr sinnvoll).
    Allerdings sehe ich dennoch ein Problem mit den Delegationen wie sie momentan in Liquid Feeback realisiert sind. Konstruktionsbedingt ist durch die Kettendelegationen der Delegationsgraph zu einem bestimmten Thema ein Baum in dem sich die Stimmen von unten nach oben immer mehr akkumulieren.
    Das hat meiner Ansicht nach zwei erhebliche Probleme: Das erste Problem ist, dass wenn ich einer Person in LQFB meine Stimme geben will, aber nicht will, dass diese Person eine Abstimmung (fast) alleine entscheidet, habe ich keine Möglichkeit diesen Willen auszudrücken, es sei denn ich Stimme selbst ab. Das zweite Problem ist, dass auch Delegierte Fehler machen, sei es beim Weiterdelegieren oder beim Bewerten der Sachlage und somit beim Abstimmen. Diese Fehler sind nicht so problematisch, wenn die Entscheidung für oder gegen eine Initiative auf viele Schultern verteilt ist, da sich hier Fehler „herausmitteln“ (Stichwort Schwarmintelligenz).
    Das Problem sehe ich hier aber nicht darin, dass die Leute falsch delegieren, sondern in der Konstruktion von Liquid Feedback: Es können viele Personen an eine einzige delegieren, aber diese Person kann, wenn sie weiterdelegiert, die vielen Stimmen nur wiederum an eine Person vergeben. Dadurch ergibt sich eben der oben erwähnte Delegationsbaum in dem sich die Stimmen akkumulieren.

    Deshalb denke ich wäre es, aus Sicht der freien Entscheidung über meine Stimme und mit dem Gedanken, Verantwortung auf viele Schultern zu verteilen, sinnvoll, wenn man statt nur an eine Person zu delegieren die eigene Stimme auf mehrere Delegierte verteilen kann. Eventuell sollte man auch einstellen können, dass die eigene Delegation an eine Person nur so lange aufrechterhalten wird, bis eine (selbsteinzustellende) Maximalanzahl an Stimmen erreicht ist.

    Was denkst du Loreena?
    Kannst du meinen kritikpunkt an der systemimmanenten(!) Akkumulation von Stimmen teilen?
    Denkst du, dass mein Vorschlag eine Erweiterung der Freiheit den eigenen politischen Willen auszudrücken ist?

    Schönen Gruß,
    Dominik

    1. Allerdings sehe ich dennoch ein Problem mit den Delegationen wie sie momentan in Liquid Feeback realisiert sind. Konstruktionsbedingt ist durch die Kettendelegationen der Delegationsgraph zu einem bestimmten Thema ein Baum in dem sich die Stimmen von unten nach oben immer mehr akkumulieren.

      Das hat meiner Ansicht nach zwei erhebliche Probleme: Das erste Problem ist, dass wenn ich einer Person in LQFB meine Stimme geben will, aber nicht will, dass diese Person eine Abstimmung (fast) alleine entscheidet, habe ich keine Möglichkeit diesen Willen auszudrücken, es sei denn ich Stimme selbst ab.

      Nach meiner Auffassung ist mit der Vergabe der Delegation an einen anderen Teilnehmer der unbedingte Wille – ich möchte auf jeden Fall wie so verhalten wie der Delegationsempfänger – zum Ausdruck gebracht. Nach deiner Auffassung verfolgst du mit der Delegation ein Ziel – du willst selbst direkten Einfluss auf das Ergebnis erreichen (ich möchte nicht dass eine Person fast alleine entscheidet), das passt nicht zu meiner Auffassung. Wenn du ein Ziel verfolgst, wenn du eine bestimmte Art und Weise erreichen willst, wie ein Ergebnis zu stande kommt beeinflussen willst, dann musst du direkt aktiv werden.
      Das zweite Problem ist, dass auch Delegierte Fehler machen, sei es beim Weiterdelegieren oder beim Bewerten der Sachlage und somit beim Abstimmen. Diese Fehler sind nicht so problematisch, wenn die Entscheidung für oder gegen eine Initiative auf viele Schultern verteilt ist, da sich hier Fehler “herausmitteln” (Stichwort Schwarmintelligenz).
      Du sprichst von Fehlern, ich spreche von Entscheidungen, diese können in den Augen des Delegationsgebers fehlerhaft sein, wenn dieser mit dem Ergebnis der Delegation nicht zufrieden ist bzw. mit der Weitergabe der Delegation durch den Delegationsempfänger. Die „Last“ der Entscheidung auf mehrere oder viele Schultern zu verteilen, erreicht man, wie im Text geschrieben, wenn sich die Aktivität von mehreren Teilnehmern oder vielen Teilnehmern im Themenbereich erhöht. Teilnehmer, die sich eher passiv verhalten, orientieren sich an ihnen bzw. sehr direkt aktive Teilnehmer, die in anderen Themenbereich aktiv werden wollen, übertragen ihnen die Delegation. Ob eine Entscheidung ein Fehler ist, kann man erst feststellen, wenn das Ergebnis feststeht und in diesem Fall vergibt man seine Delegation an einen anderen Teilnehmer.

      Das Problem sehe ich hier aber nicht darin, dass die Leute falsch delegieren, sondern in der Konstruktion von Liquid Feedback: Es können viele Personen an eine einzige delegieren, aber diese Person kann, wenn sie weiterdelegiert, die vielen Stimmen nur wiederum an eine Person vergeben. Dadurch ergibt sich eben der oben erwähnte Delegationsbaum in dem sich die Stimmen akkumulieren.

      Der Delegationsempfänger vergibt bei einer Delegation wiederum nur bewusst sein Stimmgewicht, eine Aufteilung auf mehrere andere ist in meinen Augen nicht sinnvoll, da sich Delegationen geraden durch Ketten- und Kreisdelegationen ständig ändern. Während der Delegationsempfänger sagen wir mit 20 Delegationen sich überlegt, wie er die Delegationen verteilt, hat er nur noch 10, wenn er das Ergebnis seiner Überlegung vorliegt, hat er nur noch 5 etc. Meiner Beobachtung nach, verteilen sich die Delegationen von selbst. So habe ich beispielsweise zu Beginn der LD-Umfrage 187 Delegationen auf mich vereint, dann wurde ein Nutzer aktiv, ich hatte nur noch die Hälfte, also gute 96, jetzt ist die Situation, dass ein weiterer Nutzer aktiv wurde, ich habe jetzt 14 Delegationen. Das System spaltet somit die Delegationen durch die Aktivität der Nutzer auf, je mehr direkt aktiv werden, desto mehr werden die Delegationen verteilt. Also statt sich Gedanken darüber zu machen, wie man sinnvoll selbst als Delegationsempfänger Delegationen verteilt (wobei er nie weiß, wie lange er wie viel hat), Gedanken machen, wie man die Aktivität im System erhöhen kann. Das machen schon einige Nutzer, in dem sie über alle möglichen Kommunikationskanäle auf Initiativen hinweisen und durch diese Hinweise zunächst die Neugier, dann die direkte Aktivität der Nutzer erhöhen.
      Übertrieben gesagt, wenn du Delegation durch Aufteilungsmechanismen in Bahnen lenken willst, dann verhinderst du gleichzeitig damit das Fließen der Delegationen. Dein Denkmodell wäre nur umsetzbar, wenn man seine Delegationen zumindest innerhalb eines Themas nicht mehr zurückziehen oder wechseln könnte, dass ist nicht das System von Liquid Feedback, das setzt auf die fließende Demokratie.
      Darüber hinaus ist die Grundidee, dass sich jeder Teilnehmer mit Delegationen so verhält, als hätte er keine, die Delegationen sollen ihn gerade nicht in seinen Entscheidungen beeinflussen. Wie ich geschrieben habe, ausgehend von mir, die Verantwortung für die Delegationen drückt jetzt schon, wenn die Verteilung der Delegationen noch dazu kommt, dann kann sich der Teilnehmer eigentlich nicht mehr darauf konzentrieren, wofür er seine Delegationen erhalten hat, das Handeln. Je mehr man regeln will, desto mehr bremst man das Fließen des Handelns im System aus, man überfordert Teilnehmer und bringt somit das gesamte System ins Stocken.
      Vor allem wie kannst du dir sicher sein, dass die Teilnehmer an die du Delegationen verteilst, im nächsten Moment nicht von anderen Teilnehmern (vielleicht auch welchen deiner Delegationsempfänger) wiederum Delegationen erhalten. Soll der Sinn der Plattform ein Spiel der Verteilung der Delegationen sein? Und wenn einer nicht seine Delegationen verteilt, weil er sich mehr auf den Sinn der Plattform konzentriert, wird er dann so angemacht, wie heute diejenigen Teilnehmer, die viele Delegationen auf sich vereinen. Warum immer diese Art und Weise jede Kleinigkeit regulieren zu wollen, für den Fall, dass der Fall eintreten könnte, dass ein Sachverhalt u.U. zustande kommen könnte, der dem Delegationsgeber nicht gefällt? Daher mein durchaus ernstgemeinter Hinweis, wem Delegationen nicht passen, direkt aktiv werden, für eigene oder andere Initiativen werben, bei Initiativen Anregungen geben bzw. diese bewerten.

      Deshalb denke ich wäre es, aus Sicht der freien Entscheidung über meine Stimme und mit dem Gedanken, Verantwortung auf viele Schultern zu verteilen, sinnvoll, wenn man statt nur an eine Person zu delegieren die eigene Stimme auf mehrere Delegierte verteilen kann. Eventuell sollte man auch einstellen können, dass die eigene Delegation an eine Person nur so lange aufrechterhalten wird, bis eine (selbsteinzustellende) Maximalanzahl an Stimmen erreicht ist.
      Was denkst du Loreena? (lt. Impressum heiße ich Moni)
      Kannst du meinen kritikpunkt an der systemimmanenten(!) Akkumulation von Stimmen teilen?
      Denkst du, dass mein Vorschlag eine Erweiterung der Freiheit den eigenen politischen Willen auszudrücken ist?

      Siehe oben, bei einer starren Delegationsvergabe wäre der Vorschlag einen Gedanken wert, ist aber bei Liquid Feedback nicht der Fall. Es geht nicht um den eigenen politischen Willen bei der Erteilung einer Delegation, das ist eher eine soziale Entscheidung, wenn ich meinen eigenen politischen Willen verfolgen und durchsetzen will, muss ich selbst direkt aktiv werden. Im Falle einer Delegation übertrage ich mit dem Stimmgewicht die Entscheidung des Handels an den Delegationsempfänger.

      1. „Nach meiner Auffassung ist mit der Vergabe der Delegation an einen anderen Teilnehmer der unbedingte Wille – ich möchte auf jeden Fall wie so verhalten wie der Delegationsempfänger – zum Ausdruck gebracht.“

        Ich denke, dass diese Einstellung, das ich mich auf jedenfall so verhalten möchte wie der Delegationsempfänger, deine persönliche Einstellung ist es muss nicht die Grundmotivation hinter der Vergabe von Delegationen sein. Wobei ich sagen muss, dass man sich im Gegenwärtigen System implizit genau dafür entscheiden muss, wenn man eine Delegation vergibt. Ich hätte aber gerne mehr Freiheit. Ich möchte, wenn ich, wie du schreibst, mir verschiedene Initiativen anschaue und Anregungen und mir dabei ein paar Leute herauspicke, denen ich gerne meine Stimme anvertrauen würde, mich nicht für eine Person entscheiden müssen. Genau EINE Person zu finden, der ich mich so perfekt repräsentiert, dass ich sage ich Stimme genau so ab wie sie, ist wesentlich schwieriger, wie eine Gruppe an Personen zu finden, die mich im Mittel näherungsweise repräsentieren können. Ich muss also aus einer Gruppe an für mich in Frage kommendenn Personen für eine Delegation nicht EINE Person auswählen. Ich denke oft hat die Auswahl dieser EINEN Person auch einen gewissen Zufallscharakter, wenn sie nicht über die anderen herausragt.
        Du schreibst:

        „Eine Delegation ist eine Form der Beteiligung.
        Beteiligung heißt nicht nur, dass man direkt an einem Thema arbeitet, es direkt unterstützt, direkt Anregungen schreibt, direkt abstimmt. Jeder hat das Recht, über sein Stimmgewicht so zu verfügen, wie er ist für richtig hält und niemand hat das Recht, eine bewusst getroffene Entscheidung anderer zu negieren bzw. deren Stimmgewicht zu mindern. “

        und ich denke dazu, dass ich mein Stimmgewicht auch verteilen können will, und nicht gezwungen werden will mich für eine Person zu entscheiden.

        Zu dem Punkt mit den Fehlern. Du schreibst:

        „Du sprichst von Fehlern, ich spreche von Entscheidungen, diese können in den Augen des Delegationsgebers fehlerhaft sein, wenn dieser mit dem Ergebnis der Delegation nicht zufrieden ist bzw. mit der Weitergabe der Delegation durch den Delegationsempfänger. “

        Ich denke aber in dem Beispiel von oben, dass ich mich, auch als Delegierter, der schon viele Stimmen auf sich vereint, manchmal zwischen, für mich mehr oder weniger gleichwertigen, Alternativen entscheiden muss. Das heißt ein Fehler ist für mich in diesem Sinne keine Entscheidung, sondern kommt durch das gezwungensein eine Zufallsauswahl zu treffen zustande. Mit Zufallsauswahl meine ich nicht, dass jemand eine Münze wirft oder so, sondern, dass wenn eine Delegierter sich dazu entscheidet weiterzudelegieren eventuell EINEN aus mehreren in Frage kommenden Personen wählen muss, ohne dass eine Person davon eindeutig aus den anderen heraussticht. Eine solche Wahl hängt dann oft von Zufallselementen ab. Zufall ist an sich nicht schlimm, aber wenn der Zufall mit 100 oder mehr Stimmen gewichtet ist, dann kann das Ergebnis einer Abstimmung vom Zufall abhängen. Das demokratische Problem dabei ist auserdem, dass die Leute sich nicht dafür entscheiden, ihre Entscheidung vom Zufall abhängig zu machen, der Zufall kommt aus dem System.

        Zu deinem Punkt, meine Idee wäre nur für ein statisches System geeignet:

        „Also statt sich Gedanken darüber zu machen, wie man sinnvoll selbst als Delegationsempfänger Delegationen verteilt (wobei er nie weiß, wie lange er wie viel hat), Gedanken machen, wie man die Aktivität im System erhöhen kann. Das machen schon einige Nutzer, in dem sie über alle möglichen Kommunikationskanäle auf Initiativen hinweisen und durch diese Hinweise zunächst die Neugier, dann die direkte Aktivität der Nutzer erhöhen.
        Übertrieben gesagt, wenn du Delegation durch Aufteilungsmechanismen in Bahnen lenken willst, dann verhinderst du gleichzeitig damit das Fließen der Delegationen. Dein Denkmodell wäre nur umsetzbar, wenn man seine Delegationen zumindest innerhalb eines Themas nicht mehr zurückziehen oder wechseln könnte, dass ist nicht das System von Liquid Feedback, das setzt auf die fließende Demokratie.“

        Ich bin mir nicht sicher ob ich das Problem genau verstehe, das du ansprichst. Denn auch momentan gibt es ja die Situation, das Delegierte weiterdelegieren, oder? Der Unterschied ist nur, dass sie in meinem Modell auch an mehrere Delegieren können (müssen aber nicht!). Und ich meine damit nicht, dass die Delegierten die Stimmen die sie erhalten haben einzeln an andere Verteilen, was ja problematisch wäre, da sich die Anzahl an Delegationen die jemand erhält dauernd ändern kann. Ich meine damit, dass man sagt: Pirat A erhält 50% meiner Stimme und Pirat B erhält die anderen 50%. Man kann das auch machen, wenn man selbst keine Delegationen erhält. Die Stimme würde dann gesplittet. Wie das Splitting konkret ablaufen könnte, dafür wären mehrere Modelle möglich, aber wichtig ist der Punkt, dass man das auch kann, wenn man keine Delegationen erhalten hat.
        Das ist auch in einem Dynamischen System wie Liquid Feedback möglich, oder nicht?

        „Warum immer diese Art und Weise jede Kleinigkeit regulieren zu wollen, für den Fall, dass der Fall eintreten könnte, dass ein Sachverhalt u.U. zustande kommen könnte, der dem Delegationsgeber nicht gefällt? Daher mein durchaus ernstgemeinter Hinweis, wem Delegationen nicht passen, direkt aktiv werden, für eigene oder andere Initiativen werben, bei Initiativen Anregungen geben bzw. diese bewerten.“

        Ich denke, nicht dass man beim Aufteilen von Stimmen von einer Regulierung sprechen kann und Delegationen sind doch gerade dazu da, dass ich mich nicht mit jedem Thema befassen muss, aber meine Stimme trotzdem zählt. Meine Stimme zählt aber um so mehr, je mehr ich damit meinen politischen Willen ausdrücke.

        „Es geht nicht um den eigenen politischen Willen bei der Erteilung einer Delegation, das ist eher eine soziale Entscheidung, wenn ich meinen eigenen politischen Willen verfolgen und durchsetzen will, muss ich selbst direkt aktiv werden“

        Ich denke schon, dass es darum geht seinen politischen Willen auszudrücken. Zwar kann man den politischen Willen nur ganz konkret ausdrücken, wenn man sich selbst mit dem Thema befasst, aber auch die Wahl einer Person (oder Partei) ist Ausdruck des politischen Willens, denn ich treffe meine Entscheidung ja auch auf Basis von politischen Statements und Handlungen meiner Delegierten. Aus meiner Sicht ist es idealerweise(!) so, dass wenn eine Entscheidung im LQFB getroffen wurde, eine Mehrheit der Piraten, wenn sie sich ausführlich mit dem Thema beschäftigen würden, dieser Entscheidung zustimmen können.

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