Der Anspruch vom Ändern und die Realität und doch will ich noch nicht aufgeben….

Neuer Tag, neues Glück kann man bei Piraten umwandeln, neuer Tag, neues Gate. Aber heute gab es gleich mehr davon. Da legen die JUPIS den Finger in die Wunde, zwingen die Piratenpartei in das eigene Spiegelbild zu schauen, das Resultat ist eine Pressemitteilung, die den Namen nicht verdient. Das andere Gate ist inzwischen korrigiert und die Person wird in der nächste Woche ohnehin zum Gate werden, egal wie das Urteil des Bundesschiedsgerichts ausgeht.

Zwei Pressemitteilungen, mit denen man reagieren wollte. Merkt ihr etwas, wir reagieren nur noch, das was wir den etablierten Parteien zu unseren Anfangszeiten vorgeworfen haben, machen wir selbst. Daneben kopieren wir ihre Strukturen, ihre Lösungen – ich frage mich ernsthaft wie weit es noch bis zu einem Delegiertensystem ist. Das ist dieser strukturelle Unsinn, der mich immer auf die Palme bringt. Ich habe es aber einfach satt, diese Intransparenz über Entscheidungen und Vorgänge. Es werden immer mehr geschlossene Gruppen gebildet, immer mehr Personenstrukturen – ich habe es versucht, die letzten Monate zu ignorieren, das war dann wohl ein Fehler.

In einem Blogbeitrag beschreibt @tante heute, warum er unsere Partei nicht wählen wird. Der Beitrag wurde von vielen retweetet, indirekt auch von mir, weil viele der Piraten die geäußerte Meinung teilen. Wir sehen es genauso und doch sind wir noch hier, warum eigentlich. Was hält uns, wenn wir diesem Außenbild zustimmen? Ich kann mir das nur mit dem Willen zur Änderungen, einer Portion Idealismus und Optimismus gepaart mit Ignoranz und Merkbefreiung erklären. Ja, Ignoranz und Merkbefreiung, ich gebe zu, dass ich ignoriere und das ich nicht mehr bis zur Konsequenz weiterdenke, die wäre aufgeben und das will ich nicht, noch nicht. Aber mal konstruktiv zu den dargestellten Punkten, was können wir ändern an dem, wie die Piraten im Blogbeitrag treffend beschrieben werden:

Das Sektenhafte

Ich mag nichts davon, weder piratig, noch Arrh noch irgendetwas davon. Die Frage, die ich mir stelle, ist ob sich die Piraten hinter diesen Begriffen verstecken, nicht als ernsthaft wahrgenommen werden wollen. Vielleicht besteht die Angst darin, dass man sonst zu sehr den Mitgliedern anderer Parteien ähneln würde oder vielleicht auch nur darin, dass man sich nicht abhebt. Aber mit solchen Floskeln heben wir uns nicht ab, wir bestätigen eher ein Bild, das man von uns zeichnen will. Wir sind Mitglieder der Piratenpartei, unser Ursprung hat mit den Piraten auf See sehr wenig zu tun. Wenn man sich den Ursprung ansieht, ja dann müssten wir uns mehr mit dem Urheber- und Patentrecht beschäftigen, dass ist unser Ursprung und da gibt es weder Enterhaken noch Piratenhüte. Konstruktive Bitte, überlegt euch die Verwendung der Begriffe und es gibt kein „piratig“ wie auch kein „unpiratig“, daher braucht man diese Begriffe nicht zu verwenden. Wir brauchen keine Geheimsprache, sondern eine, mit der wir mehr in der Gesellschaft erreichen können.

Die Überheblichkeit

Das trifft so vollkommen ins Schwarze. Wir wollen ändern, da wir alle die Grundlagen der Mathematik kennen, sollte uns klar sein, dass wir das nicht allein können, selbst wenn wir in sämtliche Kommunalparlamente, Landesparlamente und in den Bundestag einziehen. Ich kann die Überraschung oft nicht nachvollziehen, dass andere Parteien sich entsprechend ihrer ideologischen Ausrichtung äußern. Ich finde das nicht negativ, weil ich sehr am Pluralismus hänge, es bringt mehr, zu wissen, welche Ansichten existieren, als nach einer Konsenslösung zu streben. Es fehlt oft an der sachlichen Auseinandersetzung mit Mitgliedern anderer Parteien, ja wir müssen auch mit den anderen Parteien reden, wenn wir etwas ändern wollen, von ganz allein wird unsere bloße Existenz nichts langfristig ändern oder glaubt jemand daran? Ich weiß nicht wie es anderen geht, aber wenn wir es schaffen, dass sich die demokratische Landschaft dahingehend ändert, dass Grundrechte nicht weiter beschnitten werden, die Bewohner unseres Landes an politischen Entscheidungen teilhaben können, dann kann es durchaus den Tag geben, an dem die Piratenpartei nicht mehr gebraucht wird. Es ging uns doch nicht um Macht, wir wollten nicht mehr zu sehen. Also wenn ich euch einen Tipp aus einem Kommunalparlament geben kann, man kann zusammen mit Mitgliedern anderer Parteien etwas erreichen, allein geht das nicht, genauso wenig, wie man allein etwas innerparteilich bewirken kann. Daher springt nicht auf jede Äußerung sofort an, wie wäre es mit einer sachlichen Erwiderung mit einem konstruktiven Angebot?

Die Duldung der Intoleranz

Wie am Anfang dieses Beitrages geschrieben, ich bin nicht wirklich überrascht. Aus einer Struktur, in der man einzelnen Personen in geschlossenen Gruppen Verantwortung zuschreibt, ohne dass diese sich identifizieren müssen, aus einer pseudonyme, geschlossenen, intransparenten Gruppe erwarte ich nichts anderes, aber wie gesagt, ich habe da auch radikale Vorstellungen von Transparenz. Ich vermisse die Auseinandersetzung mit dem Brief der JUPIS und nein ich lasse eine Entschuldigung des Presseabteilung als Sprachrohr des Bundesvorstandes einfach nicht zu, das man selbst nichts machen kann.  Oh, sry ich wollte ja konstruktiv sein:

  • Transparentes Arbeiten verhindert den kommenden Shitstorm
  • breite Beteiligung verhindert einseitige Aussagen
  • konsequentes Handeln verhindert Verschleppung und Verdrängung
  • wehrt euch und bitte lasst das Märchen Trolle nicht füttern im Märchenbuch
  • geht gegen diskriminierende Aussagen vor, schweigt nicht, das Schweigen der Masse verursacht einen starken Schmerz und führt zur Isolierung derer, die diskriminiert werden.
  • Redet mit denen, die der Ansicht sind, ihre Äußerungen sind nicht diskriminierend, versucht ihnen zu erklären, wie die Aussage beim Empfänger ankommt
  • Überlegt euch selbst jeden Kommentar, könnt ihr die Verantwortung für die gewählten Worte übernehmen
  • Steht zu eigenen Fehlern und verzeiht Fehler anderer, auch das gehört zur Toleranz
  • Meinungsfreiheit heißt nicht, dass man innerhalb einer demokratisch, am Grundgesetz orientierten Partei alle Aussagen ertragen und zulassen muss. Hierzu ein klares NEIN!!!!

Das Nichtnutzen von Chancen

Wir haben die Chance zur Veränderung, bei Liquid Democracy geben wir sie bereits bereitwillig an andere Parteien und Gruppierungen ab. Ich sehe hier sehr oft das Problem, dass der Fokus auf Einzelaspekte der Lösung gelegt wird, ohne die Gesamtheit zu verstehen bzw. verstehen zu wollen. Ich kann nur sagen, die Torpedos haben ihr Ziel gut und zielsicher getroffen, mehr will und kann ich momentan dazu nicht sagen, das schmerzt immer noch.

Der andere Aspekt, es anders zu machen, die Mitglieder der Partei einzubinden, ja er wird immer mehr verworfen, weil es nicht einfach ist. Hat irgendjemand gesagt, dass Transparenz und Mitbestimmung einfach sind, ohne Aufwand durchsetzbar ist? Nein, es ist Aufwand, ja, aber wir wollten das mal, wir wollten mal, dass man Vorgänge vom Anfang bis zum Ende nachvollziehen kann, auch hier höre ich auf, ich kann nicht mehr, das wird der Aspekt sein, der mich, wenn, aus dieser Partei treibt.

Lösungen haben andere und ich viele vorgeschlagen, sie verklingen ungehört, sie werden ignoriert, es wird gesagt, man muss den Bundesvorstand vertrauen, man muss den Beauftragten und geschlossenen Gruppen vertrauen – nein ich muss das nicht und es wird mir sehr schwer gemacht, überhaupt damit anzufangen.

Ich weiß nur eins, wenn wir die Strukturen der etablierten Parteien kopieren, werden diese eines Tages gegenüber unserer Partei fortschrittlicher sein, man beginnt langsam zu erkennen, dass die reine repräsentative Demokratie nicht genügend Vertrauen schafft, man beginnt zu erkennen, dass eine Partei aus mehr als Vorständen und Beauftragten besteht und wann erkennen wir das wieder, wir die Piratenpartei?

Die Diskussionskultur

Die Diskussionskultur ist grauenhaft, wer sachliche Auseinandersetzung erwartet, findet sich im persönlichen Angriff wieder. Ich hatte es schon mal erwähnt, der Pluralismus bedeutet mir etwas, sry ich bin in einem Land aufgewachsen, in dem es offiziell nur eine Meinung gab. Ich möchte, dass nicht mehr missen. Eine andere Ansicht zu haben, ist kein Verbrechen, warum können wir nicht uns austauschen, ohne den anderen verbal zu verletzten oder zu zerstückeln. Es kommt doch darauf an, das man in einem Meinungsaustausch die eigene Sichtweise genauso kritisch überdenkt,wie auch die Ansichten anderer oder bin ich wieder zu naiv? Wir haben bereits so viele Piraten aus der Partei verdrängt, bereits an den Rand gedrängt, das ich mich frage, ob ich hier noch eine Zukunft sehe. Immer wenn mich diese Gedanken plagen, lese ich andere Blogs, die sich thematisch mit einer Problematik auseinander setzen, schaue in Liquid Feedback nach, ob es neue Initiativen gibt, dann wird wir wieder klar, es geht auch anders, aber wohl nicht im direkten Kontakt.

Ich könnte jetzt damit kommen, dass es vielleicht anders wäre, wenn jeder der sich an einer Diskussion beteiligt, in irgendeiner allen Diskussionsteilnehmern bekannten Weise zuordnungsfähig sind, aber dann werde ich wieder verbal zerstückelt und darauf habe ich keine Lust, dann bleibt wohl nur, wir können es nicht.

Ein Wort zum Flausch, ja so ein Trost, so ein Funken Anerkennung tut gut, aber Flausch verkommt zu einer neuen Verdrängungsmaschinerie, wer geflauscht wird, dessen Grundproblem wird schnell vergessen, wie er selbst vergessen wird. Flausch hilft nicht. Mit dem Flausch hat sich das Grundproblem nicht erledigt, unterstützt die, die ihr mit Flausch versorgt, habt ein offenes Ohr, das hilft mehr als jeder Flauschsturm der Welt.

Warum bin ich noch hier?

Das mit dem Aufgeben fällt mir schwer, selbst wenn mir von verschiedenen Seiten (Piraten und Nicht-Piraten) gesagt wird, es wäre besser für mich. Aber um mich geht es nicht, es geht um diese Gesellschaft und ich will wohl einfach nicht die Hoffnung aufgeben, dass man sie ändern kann. Ich versuche das mit den Piraten, auch daher, weil es hier nicht  wenige gibt, die ähnlich denken wie ich. Trotzdem kann nachvollziehen, wenn man die Nase voll hat, von den Piraten und den unerfüllten Visionen und geht, ich verstehe es, aber den Schritt will ich noch nicht gehen.

Es ist wie ein Seiltanz, verliere ich die Balance, falle ich und dann war es das mit den Piraten. Ich wollte nicht in irgendein Parlament, ich habe es als notwendig angesehen, zu versuchen etwas zu ändern. Wenn andere Parteien das Ändern übernehmen ist es für mich kein Problem. Ich würde es sogar als Erfolg ansehen. Die Hoffnung habe ich noch nicht vollständig aufgegeben, was die #Piraten angeht, gerade weil die reale Politik in Berlin im Abgeordnetenhaus und in den Bezirksverordnetenversammlungen zeigt, ja man kann ändern. Schritt für Schritt und dabei muss man den Dialog mit anderen Parteinen suchen. Ich würde mein Piratendasein gern nicht nur auf Parlamente, auf Liquid Feedback, auf die ständige Mahnung nach mehr Transparenz beschränken, aber das liegt nicht nur an mir allein.

P.S. Danke an @tante für den Blogpost, sollte jeder lesen, der sich auch hierher verirrt hat.  Ich bleib noch. Ich habe die Hoffnung, dass sich bis zu den für mich als Berlinerin relevanten Wahlen 2013 / 2016 noch etwas ändert, die Hoffnung ist zwar trügerisch, aber stirbt bekanntlich zuletzt.


2 Gedanken zu “Der Anspruch vom Ändern und die Realität und doch will ich noch nicht aufgeben….

  1. Ja, hier steckt viel Wahres in den Zeilen. Und ich denke, einen Zusammenhang zu erkennen:
    Die Tendenz hin zu geschlossenen Zirkeln erfährt durch das raue Umgangsklima Auftrieb.
    Pirat A will einen Antrag E erarbeiten und könnte sich hierfür der zugehörigen AG zuwenden, doch er tut es im Wissen um das dortige destruktive Klima nicht und brütet allein im stillen Kämmerlein, bis er fertig ist und alle vor vollendete Tatsachen stellt. Die AG fühlt sich hierdurch übergangen, zweifelt an der Umsetzung des hochgepriesenen Basisdemokratie- & Transparenz-Prinzips der Piraten.
    Es ergibt sich ein ungenießbares Verschmelzprodukt aus Schuld und Opfer-Rolle, Recht und Unrecht, wie man es im Konflikt um Israel und Palästina vorfindet.

    Die Lösung hierfür fängt bei sich selbst an:
    Man muss darauf achten, dass man keinen Beitrag zur Vergiftung des Diskssionsklimas leistet; und das ist gar nicht mal so leicht. Zweitens muss man selbst sich einen Ruck hin zur Transparenz und Basisdemokratie geben.
    Hierzu ein Beispiel: Ich hab’ letzte Nacht den ersten Wurf eines Updates für die Urheberrechtsreform angefertigt; mit der Veröffentlichung hielt ich es bislang allerdings aus Gründen sehr zögerlich:
    Lediglich in’s Wiki hab’ ich den Beitrag gepostet. “Den anderen im Forum zeigen ? Wie komm’ ich denn dazu ? Die blubbern doch eh alle nur unproduktiv rum; für derartige Auseinandersetzungen hab’ ich einfach keinen Nerv !” – so fängt’s an. Leute,… der erste eigene Fehler…

    Ein weiteres Problem ist unsere Streitkultur:
    Sie ist vorwurfsvoll, aggressiv und zunehmend medial-gefügig. Das ist auch der Grund, weshalb Fehler nicht eingestanden werden, weshalb abgewiegelt und relativiert wird. Das… muss sich ändern. Wir müssen überlegen, wie wir’s anders machen wollen, und wie’s konstruktiver aussehen könnte. Mein Beitrag hierzu:
    Reale & virtuelle Themenabende statt Reaktions-PM, Sensibilisierung statt Bagatellisierung, Dialog statt Grabenkampf.

    Viele Grüße,
    / aka Oliver

  2. Danke ,danke ,danke und das meine ich so wie ich es sage.Ich habe diese Partei beobachtet und es mir nicht leicht gemacht, einzutreten.Sie hat mich begeistert und diese Begeisterung hält nach wie vor an.Leider muss ich mittlerweile ein großes Aber dazuschreiben.Meinungsfreiheit ist ein großes Gut .Ich habe das Alter dazu dies zu sagen.Was allerdings hier furchtbar abschreckend für mich ist ,ist dieses sehr gewöhnungsbedürftige, selber fertig machen ,in einer Partei die doch ihre Kraft wohl für zukünftige Wahlen und ein Miteinander auf bringen sollte.Langsam habe ich den Eindruck gewonnen, das hier nur ein großer Teil an Kraft und Eigennutz verschwendet wird.Das ist wie auf einer großen Bühne .Die Statisten sind die Arbeiter und die Schauspieler schmeißen das Stück.Wir sollten uns alle einmal besinnen .Wollen wir das wirklich? Wir sind angetreten etwas zu verändern und wir kommen im Moment rüber, wie alle anderen Parteien auch .Und sagt mir nicht ,das ist unsere Transparenz .Ich fürchte das ist unser Untergang.Jeder gegen jeden wird nicht gehn .Nur zusammen werden wirs schaffen!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ photo

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s